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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  II.

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lassen  zu  wollen!  Die  Gefahr  vor  den  falschen  Christen,  vor
den  Ungläubigen  war  somit  dringend.  Sie  drohte  nicht  sowohl
von  den  Hussiten,  den  Czechen,  als  vielmehr  von  den  Polen
und  ihren  Bundesgenossen,  den  nur  zum  Scheine  bekehrten  Litthauern,
  und  wenn  das  Concil  sich  nachher  gegen  die  Czechen
kehrte,  eher  Massregeln  gegen  diese  nothwendig  erschienen,
waren  im  Interesse  des  Reiches  und  der  Kirche  vor  Allem  Massregeln ­
  gegen  die  Polen  nothwendig!  Es  mag,  da  auf  den  Tod
des  Johannes  Hus  der  Process  des  Hieronymus  von  Prag
folgte,  auf  dessen  Tod  aber  die  Berathung  über  die  Massregeln
gegen  die  Anhänger  beider,  die  Anklageschrift  gegen  die  Polen
nicht  gleich  durchgedrungen  sein.  Allein  die  Polen  waren  dadurch ­
  auf  das  Tiefste  verletzt,  sie  waren  vor  dem  öcumenischen
Concil,  vor  den  Vertretern  der  ganzen  Christenheit  als  falsche
Christen,  als  Begünstiger  der  Häresie  und  des  Unglaubens,  als
in  Todsünde  begriffen  und  des  Todes  würdig  dargestellt  worden.
Man  konnte  gar  nicht  weiter  gehen.  Die  Ehre  der  Nation,  des
Königs,  der  Herzoge,  des  Episcopates,  das  solches  duldete,  war
verletzt,  mit  Füssen  getreten!  Dagegen  trat  das  Zerwürfniss
mit  den  Czechen  in  den  Hintergrund;  das  bezog  sich  vorderhand ­
  nur  auf  zwei  Persönlichkeiten.  Dort  war  die  ganze  Nation
angeklagt.
Wie  lange  Paul  Wladimiri  mit  seiner  Entgegnung  warten
liess,  ist  uns  nicht  bekannt,  da  sie  kein  Datum  trägt.  Allein
der  Umfang  der  Anklageschrift  Falkenbergs  und  dann  der  des
Tractates  Paul  Wladimiris  über  den  Kreuzherrenorden  und  den
Krieg  der  Polen  gegen  die  erwähnten  Brüder,  um  die  Schrift
des  Johann  von  Bamberg  1  (Johann  Falkenberg)  zu  widerlegen,
lässt  schliessen,  dass  die  letzterwähnte  Entgegnung  frühestens
in  das  Jahr  1416  zu  setzen  ist.  Auch  Paulus  gebraucht  die
scolastische  Form,  nämlich  der  polemischen  Erörterung,  um  die
eigentliche  Entscheidung  dem  Concil  zu  überlassen.  Er  ging
hiebei  von  der  Thatsache  aus,  dass  der  König  Wladislaus  von
Polen  und  der  Orden  ihren  Streit  bereits  vor  König  Sigmund
gebracht  und  sich  hiebei  der  Orden  auf  die  Schenkungsurkunde
Kaiser  Friedrichs  II.  in  Betreff  Preussens,  Kurlands  und

1  Johannes  de  Bomberga  wird  er  regelmässig  im  Context  genannt;  vielleicht ­
  nur  ein  Druckfehler.  Nach  Dlugoss  war  er  Predigermönch  von  Kamin.
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