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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

(

876  Höfler.
Litthauens  mit  Polen  an  ihre  Stelle  traten.  Es  mag  den  Vertretern ­
  der  slavischen  Sache  keine  geringe  Freude  bereitet  haben,
als  gerade  unter  dem  (zweiten)  Rectorate  des  Johann  von  Husinetz
  die  Nachricht  von  dem  grossen  Siege  der  Polen  und  Litthauer
  über  den  Deutschherrenorden  bei  Tanneberg  15.  Juli
1410  anlangte.  Böhmische  Ritter  hatten  angeblich  den  Aus-  <
schlag  gegeben.  Ihrem  unvermutheten  Anprall  war  der  Hochmeister ­
  Ulrich  von  Jungingen  erlegen,  ein  Tatare  hatte  ihn  getödtet.
  Von  diesem  Tage,  der  hunderttausend  Menschen  das
Leben  gekostet  haben  soll,  richteten  die  slavischen  Parteihäupter ­
  ihre  Augen  auf  Wladislaus  Jagello,  auf  den  von  Wladislaus
  eingesetzten  Grossfürsten  von  Litthauen,  Witold,  auf
die  Dynastie  der  Jagellonen,  die  durch  den  Frieden  von  Thorn
1.  Februar  1411  das  Uebergewicht  Polens  über  den  deutschen
Orden  besiegelte,  unter  den  Slaven  einen  ebenso  hohen  Ruhm
erntete,  als  sie  den  Deutschen  verhasst  war.  Schon  im  Juli
1414  war  es  zu  einem  neuen  Kriege  zwischen  dem  Polenkünige
und  dem  Orden  gekommen,  und  als  nun  Ende  1414  das  Concil
von  Constanz  eröffnet  wurde,  rief  einerseits  der  Orden  dasselbe
gegen  den  Polenkönig  auf,  andererseits  zog  der  Führer  der
czechischen  Nationalpartei  gleichfalls  dahin,  sich  vor  dem  Concil
zu  vertheidigen  und  dessen  Urtheil  zu  vernehmen.  Zu  den
religiösen  Streitigkeiten  des  XV.  Jahrhunderts  war  somit  noch
eine  gewaltige  nationale  gekommen  und  Hessen  die  ersten  keine
Vereinigung  zu,  so  war  diese  von  einem  Streite,  der  schon  auf
den  blutigsten  Schlachtfeldern  geführt  worden  war  und  wobei
jede  Nachgiebigkeit  die  Preisgebung  des  eigenen  Interesses,
ja  des  socialen  Daseins  in  sich  schloss,  noch  viel  weniger  zu
erwarten.  Der  Angriff  erfolgte  diesmal  von  Seite  der  Deutschen,
und  zwar  durch  eine  Schrift,  die  an  nationaler  Gehässigkeit
Alles  überbot,  was  die  mittelalterliche  Literatur  bisher  auf
diesem  Gebiete  geleistet  hatte.
Der  Ankläger  der  Polen,  Johann  von  Falkenberg,  ein
Dominikaner,  hatte  sich  schon  dadurch  bemerklich  gemacht,
dass  er  die  extremen  Sätze  des  Jean  le  petit  (Johannes  parvus)  <
vertheidigte,  der  im  Anschluss  an  die  auf  offener  Strasse  von
Paris  erfolgte  Ermordung  des  Herzogs  Ludwig  von  Orleans,
jüngeren  Bruders  König  Karls  VI.  von  Frankreich,  durch  den
Herzog  Johann  von  Orleans  (1407)  die  Rechtmässigkeit  des
            
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