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M a y r.
Alte Testament wurzelt in dem actuelleren Interesse für die
christliche Religion. 1 Voltaire’s Stellung in dem langen Kampfe
zwischen Philosophie und Glauben ist durch den Gebrauch
gekennzeichnet, welchen er von den Waffen der historischen und
philosophischen Kritik gegen den Glauben macht. Seit der
Reformation war der Katholicismus bemüht, die Angriffe der
historischen, theologischen und philosophischen Kritik von sich
abzuwehren; der historischen Kritik gewährte er nur zu den
äussersten Vorwerken Zugang; die theologische Kritik blieb
eine rein interne, den Laien verschlossene Angelegenheit; mit
der Philosophie wussten sich namentlich die Jesuiten geschickt
abzufinden. Innerhalb des Protestantismus war immer eine
fortdrängende Richtung vorhanden, welche jederlei Kritik die
weitesten Concessionen machte, aber doch im Sinne der Erhaltung
und des Glaubens. Erst die neuere Philosophie, indem
sie sich über den Gegensatz der Confessionen erhob, proclamirte
auch das Recht der Vernunft, das Christenthum, die
Religion selbst, in Frage zu stellen. Die avancirtesten Vorkämpfer
des Deismus in England gingen von der protestantischen
Verneinung der Tradition zur Bekämpfung der Bibel
über, lösten den Zusammenhang derselben mit der überirdischen
Welt auf und setzten den nunmehr als menschlich betrachteten
Lehren die Satzungen eines blossen Vernunftglaubens entgegen.
Voltaire ging im Principe nicht über die Deisten hinaus; abgesehen
von seinen schriftstellerischen Gaben übertraf er sie
jedoch an historischer Gelehrsamkeit. In der Beurtheilung der
Quellen, der Kritik einzelner Daten, in der Erklärung der
religiösen Erscheinungen aus dem Geiste, dem Gemüthszustand,
den Geschicken der Zeitalter, bewies er eine bis dahin einzige
Meisterschaft. Sollen wir noch den Unterschied zwischen der
englisch-französischen Religionsphilosophie und der deutschen
1 Ce peuple doit nous interesser puisque nous tenons d’eux notre religion . .
nous ne sommes au fond qne de Juifs avec an prepuce. (Essai, 103.) —
Les Chretiens, qui ne furent pendant Cent ans, que des demi-juifs (L’A,
B, C; 3 mc Eutretien) — nous qui devons notre religion ä un petit peuple
abominable, rogneur d’espeees et marchand des rieilles culottes. (16. Aug.
1761 ä Mairan.) — II y a plus d’absurdite encore k imaginer qu’une
secte nee dans le sein de ce fanatisme juif est la loi de Dieu et la
verite ineme. (A d’Argence, 11. Oct. 1763.)