Höfler. Abhandlungen aus dem Gebiete der slavischen Geschichte. II. 875
Abhandlungen aus dem Gebiete der slavischen
Geschichte.
Von
Constantin R. von Höfler,
wirkl. Mitglieds der kais. Akademie der Wissenschaften.
II.
Der Streit der Polen und der Deutschen vor dem
Constanzer Concil.
Der Streit zwischen den Czechen und den Deutschen,
welcher sich am Ende des XIV. Jahrhunderts aus einem Universitätszwiste
in Prag entzündete, steht in der Geschichte der
zahlreichen Misshelligkeiten zwischen Slawen und Deutschen
nicht vereinzelt da. Viel heftiger als an der Moldau wüthete
an dem östlichen Winkel des deutschen Meeres der Kampf
der Deutschherren mit den Polen und den Litthauern, das
Gegenstück zum Streite der Hanseaten mit den Skandinaviern.
Mit scharfem Blicke hatte Kaiser Karl in den letzten Jahren
seiner Regierung sich der Anordnung Niederdeutschlands zugewendet,
als fühle er heraus, dass der Schwerpunkt mitteleuropäischer
Geschichte von dem oberdeutschen Centrum nach
der Peripherie verlegt werde. Seine Massregeln, wie überhaupt
das Auftreten der Luxemburger in Böhmen, hatten die Fortschritte
Polens nach der deutschen Seite zu aufgehalten,
Brandenburg und die nordöstlichen Marken gegen die polnische
Uebermacht sichergestellt. Es war dieses um so bedeutender,
als die freilich nur kurze Zeit andauernde Vereinigung der
Kronen von Ungarn und Polen 1370 erfolgte, und als sie sich
nach König Ludwigs Tode (1382) löste, die engen Beziehungen