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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Mayr.

Abfall  himmlischer  Geister  zurück,  lehrten  aber  auch  die  Erlösung- ­
  der  Verdammten  durch  stufenweise  Rückkehr  zu  Gott.
An  diese  Lehre  knüpfte  der  Seelenwanderungsglaube  an,  welcher
hinwiederum  zur  Begründung  desKastenwesens  verwendet  wurde. 1
Mit  der  fortschreitenden  Degeneration  und  Herrschsucht  der
Brahminen  griffen  auch  Ceremonienwesen  und  Aberglauben
um  sich.  Das  indische  Rituale  erregt  unser  Lachen;  freilich
revanchirt  sich  der  Gangesanwohner,  indem  er  über  das  Treiben
der  Leute  am  Tiber  lächelt;  der  Philosoph  lacht  über  den  einen,
wie  über  den  anderen,  sowie  er  ihnen  auch,  wo  sie  es  verdienen,
Anerkennung  zollt.  Der  Philosoph  findet,  dass,  so  lächerlich
das  Rituale  der  Brahmanen  auch  sein  möge,  ihre  erhabene
Moral  nur  Bewunderung  erregen  könne. 2  Gegenwärtig  habe  sich
die  indische  Religion  nur  mehr  bei  wenigen  Philosophen  in
ihrer  alten  Reinheit  erhalten;  diese  gäben  sich  keine  Mühe,
einem  entarteten  und  verweichlichten  Volke  bessere  Vorstellungen ­
  beizubringen:  sie  würden  die  anderen  Brahmanen,  die
Weiber,  den  Pöbel  gegen  sich  aufreizen.  In  neuerer  Zeit,  erzählt ­
  er,  hat  der  Muhamedanismus  Fortschritte  gemacht,  das
Christenthum  hingegen  trotz  seiner  Evidenz,  seiner  Heiligkeit
und  seiner  Missionäre  keine.  Wie  könne  man  auch  einem
Volke  zumuthen,  den  Glauben  von  Menschen  anzunehmen,  die
gleich  Räubern  über  ferne  Länder  herfallen  und  den  religiösen
Hader  ihrer  Heimat  an  fremde  Gestade  tragen.
Die  Geschichte  der  indischen  Religion  gibt  Voltaire  auch
über  die  Wechselwirkung  von  Klima,  Religion  und  Gesellschaft
zu  denken. 3  Die  frappirende  Aehnlichkeit  zwischen  indischen
1  Ce  furent  les  premiers  Brachmanes  qui  inventerent  le  roraan  theologique
de  la  chute  de  Fhomme,  ou  plutot  des  anges:  et  cette  cosmogonie,  aussi
ingenieuse  que  fabuleuse,  a  ete  la  sonrce  de  toutes  les  fables  sacrees
qui  ont  inonde  la  terre.  (Deraieres  remarques  sur  Pascal,  Nr.  112,  1777.)  —
Cf.  Art.  Ange.
2  Auch  traurige  Verirrungen,  wie  die  Witwenverbrennung,  bespricht  er.
Ueber  die  Bussgebräuche  sagt  er:  ,Des  qu’il  y  eut  des  religions  etablies,
il  y  eut  des  expiations;  les  ceremonies  furent  ridicules:  car  quel  rapport
entre  l’eau  du  Gange  et  un  meurtre  .  .  Nons  avons  dejä  remarque  cet
exc&s  de  demence  et  d’absurdite,  d’avoir  imagine  que  ce  qui  lave  le
corps  lave  l’&me.‘  (Art.  Expiation  —  Bapteme.)
3  Si  jamais  le  climat  a  influe  sur  les  hommes  c’est  assurement  dans
Finde  .  .  Leurs  superstitions  sont  les  m@mes  que  de  temps  d*Alexandre.
            
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