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M a y r.
Letztere beschränkten sich darauf, Pöbel und Pfaffen in Zaum
zu halten, weshalb dem Lande die Geissei der Religionskriege und
der Kampf zwischen sacerdotium und imperium erspart blieb. 1
Auch als die Missionäre christlicher Herkunft den Fanatismus
zu schüren suchten, vermochte es den Frieden zu bewahren.
Infolge seiner religiösen Zustände war uud ist China, ungeachtet
seiner Mediocrität in den Wissenschaften und seines Hanges
zur Stabilität, das bestgesittete Land der Erde. 2
Es finden sich hier alle wesentlichen Stücke der Voltaireschen
Religionsphilosophie beisammen: sein Abscheu gegen das
Dogma; 3 sein Hass gegen die Organisation des Aberglaubens; 4
sein Kampf gegen eine Priesterreligion, die sich über den Staat
erhebt und dem Fanatismus Halt gewährt; seine Identification
von Religion und Moral; seine Lehre von der Uebereinstimmung
aller echten Religion an allen Orten und zu allen Zeiten; 5
seine Unterscheidung zwischen der Religion der Gebildeten und
dem Wahne des Haufens, gegen welchen, soferne er gewisse
Schranken überschreitet, der Höherstehende principiell keinerlei
1 ,Crois ce qui tu voudras, mais fais ce que je t’ordonne. 1 Dieses Princip
des Friedericianischen Absolutismus hält Voltaire auch für das der chinesischen
Regierung. (Dieu et les hommes, c. 4.)
2 Siede de Louis XIV, 39.
3 La theologie u’a jamais servi qu’ä renverser les cervelles et quelquefois
les Etats. (L’A, B, C; 10 rae Entretien.) — Culte, necessaire; vertu, indispensable;
crainte de l’avenir, utile; dogme, impertinent; dispute sur le dogme,
dangereuse; persecution, abominable; martyr, fou. (Pensees, remarques,
observations.)
4 Jamais la nature humaine n’est si avilie que quand l’ignorance superstitieuse
est arraee de pouvoir. (Essai, c. 140.)
5 La religion enseigne la meme morale ä tous les peuples sans aucune
exception : les ceremonies asiatiques sont bizarres, les croyances absurdes,
mais les preceptes justes . . il n’est pas possible qu’il y ait
jamais une societe religieuse instituee pour inviter au crime. (Essai,
c. 197.) — Die Moral aller Religionen ist vortrefflich, nur ihre Metaphysik
absurd und ihr Ceremonienwesen lächerlich. (Dieu et les hommes,
c. 9.) — Toutes les sectes sont differentes parce qu’elles viennent
des hommes; la morale est partout la meine parce qu’elle vient de
Dieu. (Art. Theisme.) — On a dit souvent que la morale qui vient de
Dieu reunit tous les esprits, et que le dogme qui vient des hommes les
divise. (Instruction pour le prince royale de . . ., c. 3, 1752 oder 1767.)
— Vgl. Art. Dogmes.