Heinrich v. Veldeke u. d. Genesis der romantischen u. heroischen Epik um 1190. 651
mezzengemeit, halt ist häufig; ger wohl ein dutzendmal; guter
kneht, sogar knehtlzche fortiter 193, 7; magedtn, harn, urlouge
(neutr.), vorbüge; grünez gras, rotez golt, starkez märe, eines
lewen mnot, ze sturme harde icol gar 144, 18, ldesen den tot,
des libes ein degen, waz mannes, waz tüfels 304, 36; keime kouwen,
scroten, Schilde stechen, schefte brechen (häufig pars pro toto
schaft für sper, aber nie das andere rant für schilt), rümen daz
laut, sarrinc, sperwehsel, wichüs eimcic; daz ist wizzenlich genüch;
geliche c. dat.: allen, manne, degenen, rittergeliche. Man sieht,
dass der Dichter vor volksthümlichem Ausdruck noch nicht
zurückschreckt; nicht etwa Heinrich, Hartmann ist der erste
Epiker, der gewisse Ausdrücke, seien sie nun formelhaft oder
vulgär, besonders wenn ein synonymes jüngeres Wort zu Gebote
steht, namentlich wieder, wo es sich um ritterlichen Kampf
im Gegensätze zur älteren, roheren Weise des Streites handelt,
vermeidet. Im Allgemeinen begründet der Umstand, dass eine
Dichtung, wie die Eneit, reich ist an formelhaften Wendungen,
noch kein endgiltiges Urtheil über den Stil. Wenn wir ältere
oder volksthümliche Gedichte in das Auge fassen, werden wir
in dieser Beziehung die conträrsten Urtheile fällen müssen.
Die Judith (MSD. Nr. XXXVII) zeigt unverhältnissmässig
viele Formeln und Phrasen, wie wir sie von den Anfängen
deutscher Epik bis zu den Nibelungen im unausgesetzten Gebrauche
finden, und dessenungeachtet muss der Stil des Gedichtes
als durchaus angemessen, ja edel bezeichnet werden;
vielleicht das formelreichste Denkmal jener Zeit aber ist der
Oswald: neben zahllosen, allgemein üblichen Phrasen hat er
eine ganze Menge eigenthümlicher, sonst wenig oder gar nicht
nachweisbarer Formeln bewahrt und gerettet — und wie roh
und ungefüge erscheint dieses Epos! Und ähnlich ist es mit
Veldekes Eneit: die zweigliedrigen Formeln, oft durch ein Hälbdutzend
Verse fortgezogen, selten zu dreigliedrigen erweitert,
die massenhaft gehäuften Präpositionalverbindungen, die im
deutschen Epos so übel die antiken Participialconstructionen
vertreten, erscheinen als Lückenbüsser, die nur leider den
grössten Raum des allzu umfangreich gerathenen Gedichtes —
es ist ein Dritttheil länger als der roman d’Eneas — einnehmen.
Wir wissen, wie eben erwähnt, dass die höfischen Dichter
gewisse Ausdrücke, die der Volksepik integrirend sind, ver-