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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Heinrich  y.  Yeldeke  n.  d.  Geneeis  der  romantischen  n.  heroischen  Epik  um  1190.  647

und  überdies  sehen  wir  ihn  wenigstens  ein  Menschenalter  lang
in  poetischer  Thätigkeit.  Aehnlich  wie  bei  Antikonie  knüpft
Wolfram  an  einer  Stelle  des  Willehalm  an,  indem  er  seine
eigene  Unvollkommenheit  gegenüber  dem  todten  Meister  beklagt, ­
  dem  er  hier  ausdrücklich  diesen  Titel  gibt:
76,  22  sold  ich  gar  in  allen  wis
von  ir  zimierde  sagen,
so  müese  ich  minen  meister  klagen
von  Veldeke:  der  kundez  baz.
der  wasre  der  witze  ouch  nicht  so  laz,
er  nand  in  baz  denne  al  min  sin,
wie  des  iewedem  friwendin
mit  spsecheit  an  si  leite  ko8t.
Es  liegt  eine  ungewöhnliche  Wärme  in  dieser  dreimaligen
Klage,  und  man  darf  sich  mit  Recht  fragen,  ob  da  nicht  persönliche ­
  Motive,  zarte  Rücksichten  bestimmend  sein  mochten:
es  mag  zum  guten  Tone  am  Thüringer  Hofe  gehört  haben,  wie
am  österreichischen  um  Reinmar,  dem  gar  sein  persönlicher
Feind  nachsingen  muss,  so  hier  um  Veldeke  zu  klagen.  Durch
die  Gräfin  von  Cleve  schon  längst  an  den  Thüringer  Hof  gezogen, ­
  war  er  unter  allen  Umständen  bereits  ein  Gast  desselben ­
  in  Hermanns  jungen  Tagen,  und  da  liegt  die  Vermuthung
nahe,  dass  der  Mann,  der  ihm  später  durch  die  Wahl  seiner
Gemahlin  vielleicht  noch  näher  trat  —  man  erinnere  sich,  dass
Agnez  von  Loz  Sophiens  Mutter  war  —,  der  nach  aussen  als
der  Vater  der  höfischen  Epik  galt,  in  dem  jungen  Fürsten
jene  Neigung  für  romantische  Dichtung  weckte,  die  ihn,  indem
er  immer  wieder  mit  seinen  Mitteln  und  Verbindungen  eintritt,
als  den  Hauptförderer  der  neuen  Richtung  erscheinen  lässt.
Die  wichtigste  Stelle  für  Veldeke  und  seinen  Ruhm
bleibt  aber  immer  Gottfrieds  bekanntes  geflügeltes  Wort:  er
impete  daz  erste  ris  in  tiutescher  Zungen  (Trist.  4736).  Er
fügt  bei:
4733  ine  hän  sin  selbe  niht  gesehen;
nn  hcere  ich  aber  die  besten  jehen,
die  dö  bi  sinen  jären
und  «it  her  meister  wären  n.  s.  £
Sein  Tod  wird  also  als  lang  verstrichen  bezeichnet:  wenn  wir
selbst  annehmen,  dass  er  ein  hohes  Alter  erreicht,  hat  er

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