Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

642

Mufch.

vorhergehenden  älteren  Epik  gegenüber  nicht  ganz  unbewussten
Uebex-schätzung  beruhe,  müssen  wir  auf  die  Vorfrage  eingehen,
in  welcher  Mundart  Heinrich  von  Veldeke  gedichtet  habe?
Hinsichtlich  des  Servatius  ist  keine  Discussion  nothwendig;
den  hat  er  in  der  Sprache  seiner  Jugend  und  Heimat  abgefasst. ­
  In  Bezug  auf  die  Lieder  und  die  Eneit  war  man  stets
in  zwei  Lager  getheilt.  Grimm  hat  Gramm.  1,  453  f.  die
Frage  übersichtlich  erörtert:  hat  Heinrich  niederdeutsch  gedichtet ­
  und  ist  sein  Werk  ins  hoch-  (mittel-)  deutsche  umgeschrieben ­
  worden  oder  hat  er  hochdeutsch  mit  Dialekteigenthümlichkeiten
  geschrieben?  Aber  die  Gründe,  die.  Grimm
mit  peinlicher  Gewissenhaftigkeit  und  Objectivität  auch  für
die  letztere  Ansicht  geltend  gemacht,  dass  hochdeutsch  damals
schon  Hof-  und  Litteratursprache  war  (MSD. 2  XXVIII);  dass
keine  rein  niederdeutsche  Handschrift  vorhanden  ist;  dass
die  Reimgenauigkeit  eine  übergrosse  ist,  wenn  man  niederdeutsche ­
  Abfassung  annimmt,  gegenüber  seinen  Vorgängern;
dass  hochdeutsche  Einflüsse  unverkennbar  seien;  lassen  sich
nicht  nur  sammt  und  sonders  widerlegen,  sondern  auch  durch
Gründe  für  die  andere  Ansicht  völlig  abweisen.  Veldeke  hat
seinen  Servatius  niederdeutsch  gedichtet;  niederdeutsche  Elemente ­
  di’angen  damals  selbst  in  die  höfische  Umgangssprache,
es  galt  für  vornehm  zu  vlcemen;  ich  erinnere  an  die  Stelle  axxs
Meier  Helmbx-echt,  also  Decennien  später  zur  Zeit  der  unbedingtesten ­
  Herrschaft  der  staufischen  Hofspi-ache,  wie  Helmbrecht
  (ed.  Lambel)  die  Schwester  susterkindekin  (717),  den
Vater  ,ey  waz  sakent  ir  gebürekin  V  (764)  anspricht,  so  dass
der  Knecht,  der  friman,  von  ihm  sagt:
744  als  ich  von  im  veruomen  hän,
so  izt  er  ze  Sahsen
od  ze  Brabant  gexvahsen:
er  sprach  ,liebe  snsterkindekin 1 ;
er  mac  wol  ein  Sahse  sin.
Der  Gang,  den  die  romantische  Dichtung  einschlug,  führte  sie
rheinaufwärts:  es  heisst  die  Verhältnisse  auf  den  Kopf  stellen,
■wenn  man  meinte,  Heinrich  habe  hochdeutsche  Poesie  nach  Limburg ­
  getragen;  aber  es  liegt  ganz  im  Charakter  der  damaligen
Gesellschaft,  die  in  Anerkennung  der  Ueberlegenheit  der  nieder  -
l-heinischen  Ritterschaft  an  courtoisem  Wesen  eine  niedei’deutsche
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.