Heinrich v. Veldeke u. d. Genesis der romantischen u. heroischen Epik nm 1190. 641
besclieidenliche stuont hie.
swaz er dinges begie,
7570 daz sagebsere wesen mac,
von der zit unz an den tac
daz er Laurente betwanc,
daz waer ze sagenne ze lanc
wi ers in sinen gwalt gewan.
jenhalp stuont daz an
wie er die frowen Laviniam
ze elichem wibe nam
und wie da ze lande was
gewalteger herre Eneas
7580 an alle missewende
unz an sines libes ende
Kein Wort, keine Thatsache, die nicht der Veldekischen Eneide
entnommen wäre; die Anordnung recapitulirt mit jener etwas
breiten Behaglichkeit, die Hartmann im Erec noch nicht
überwunden hat, aber auch mit sehr sicherem Tacte die Hauptpunkte
der Handlung: in der That das Interessanteste und
Wichtigste. Der Schluss aber ist eine Reminiscenz an die
Schlussverse Heinrichs von Veldeke, die zugleich gegenüber
der bier läppischen Entstellung in W (s. u.) gesichert werden:
En. 354, 37 als is ez welsch und latin
äne missewende.
hie si der rede ein ende. 1
Man sieht, Hartmann steht unter dem frischen Einflüsse eben
genossener Lecture; wichtig wäre es zu wissen, ob er damals
die ganze Eneit auf einmal erst habe kennen gelernt oder ob
der erste Theil schon früher, noch als Torso, nach Schwaben
gedrungen? Nur in dem letzteren, gar nicht erweislichen
Falle — den Basler Alexander möge man nicht als Argument
gebrauchen: Rödiger, Anz. 1, 78 ist nicht zu widerlegen —
wäre der Nachruhm, den Heinrich seit Gottfried genossen,
wenigstens einigermaassen verdient.
Bei Erörterung der Frage nun, inwieferne die hohe Ansicht
der nächsten Epigonen von Veldeke nicht auf einer der knapp
1 Dass missewende an beiden Stellen wesentlich verschiedenen Sinn hat,
scheint mir nicht von besonderem Belang: das ist eben das Wesen der
Reminiscenz, dass sie an Aeusserlichkeiten haftet.