636
Muth.
Abei-, was Pey entgieng, 350, 2
einen sun her bi ir gewan,
der wart geheizen Silvius
und wart in nehenne hi1s
her wart in einem walde geboren.
Das ist die absichtlich aufgesparte Stelle: wir dürfen also die
Autorschaft des Schlusses niemandem Andern zuschreiben als
dem Dichter des Ganzen und können unsere Folgerung ohne
weiteres auf den Text gründen.
Betrachten wir genau die Verse 347, 13—348, 4, die
Schilderung des Mainzer Festes; ist dieselbe, wie die Meisten
annehmen, unter dem frischen Eindrücke des Ereignisses, etwa
gar im selben Jahre geschrieben? Für die lebende Generation
reclamirt er die Begebenheit:
19 die wir selbe sägen (diu hohzite)
26 ich wäne alle die nü leben
deheine grözer haben gesehen.
Aber welchen Sinn hätten die Verse:
34 ir lebet genüch noch hüte,
diez wizzen wärliche,
wenn nicht seit dem Feste geraume Zeit, so lange Zeit, dass
schon Mancher der Theilnehmer gestorben ist, verstrichen wäre?
Das Fest gehört nach diesen und den folgenden Versen der
Geschichte und der Sage an — wir müssen also eine möglichst
lange Zeit seit dem Ereignisse verflossen denken; aber ebenso
der Kaiser. Wie hier von Friedrich Rothbart gesprochen ist,
spricht man von keinem Lebenden. Hier hat sich der Dichter
zur höchsten Emphase erhoben, deren er überhaupt fähig ist:
ez wirt noch über hundert jär
von' ime gesaget und geseriben,
daz noch allez ist beliben.
Die letzte Zeile ist offenbar corrumpirt; in W fehlen die
Verse 1—5, wodurch der folgende 348, 6 ohne Reim ist;
eine sichere Emendation weiss ich nicht: wahrscheinlich gehören
zwei Verse fort und sind 4 und 6 zusammenzuziehen zu
diu rede wcere b&z beliben
oder einer ähnlich lautenden Entschuldigung.