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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Heinrich  v.  Velrleke  u.  d.  Genesis  der  romantischen  u.  heroischen  Epik  um  1190.  635

Auf  den  ersten  Anblick  erscheint  dieser  Grund  unwiderleglich; ­
  genauere  Untersuchung  ergibt  das  Gegentheil;  im  Servatius ­
  sehen  wir  Veldeke  in  ganz  ähnlicher  Weise  schliessen:
er  kann  kein  Ende  finden;  nachdem  das  Amen  längst  angebracht ­
  ist,  das  in  so  vielen  andern  Dichtungen  auch  Weltlicher
das  Schlusswort  bildet,  nimmt  er  den  Faden  der  Erzählung
noch  einmal  auf,  spricht  von  sich,  kommt  wiederum  auf  den
Gegenstand  zurück  —  und  das  am  Schlüsse  jeden  Buches
(Serv.  1,  3224  Amen!,  3254  abermaliges  Amen!  2,  2883—
2912  Schluss:
dattet  ons  in  staden  stac
ten  eweliken  lyve
ende  ons  te  troeste  blyve
2913—2919  Recapitulation  über  Servatius,  2320—2344  Namen
und  Persönliches,  2375—2974  abermals  der  Name  und  Fürbitte). ­

Es  ist  aber  ausser  dieser  Parallele,  die  uns  mit  der
Manier  des  Dichters  bekannt  macht,  noch  ein  zwingender
Grund  vorhanden,  Heinrich  die  Autorschaft  dieses  genealogischen ­
  Schlusses  nicht  zu  bestreiten.  Die  genaue  Vergleichung
des  Textes  der  Eneit  mit  dem  roman  d’Eneas  von  Benoit
zeigt  denn  doch  neben  vielfachem  mechanischen  Zutappen
auch  stellenweise  verständiges,  planvolles  Vorgehen.  So  hat
Heinrich  das  Buchstabenspiel  mit  dem  Namen  Eneas,  das
Benoit  der  Dido  beilegt,  für  die  Lavinia  aufgespart  (Pey,
Wolfs  Jahrb.  2,  8);  ebenso  hat  er  die  Genealogie  und  einiges
Detail  auf  den  Schluss  verschoben,  so  die  Stellen,  die  bei
Vergil  und  Benoit  ungefähr  Heinrichs  4.  Tausend  entsprechend
erscheinen,  Pey  S.  11:
Silvius,  Albanuni  nomen,  tua  posthuma  proles:
Quem  tibi  longaevo  serum  Lavinia  conjux
Educet  silvis  etc.
En  une  silve  ci  naistra
Et  Silvius  h  nom  ara.
En.  108,  22  Silvius  sal  her  genant  sin
da  obene  üf  der  erden
und  sal  geboren  werden
in  einer  wiltnisse.
            
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