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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Mutli.

und  unberechtigten  Kürzungen  das  Richtige  und  Ursprüngliche ­
  rettet.  Man  muss  diese  zwölf  Verse  nur  genauer  ansehen,
  um  sofort  zu  erkennen,  dass  sie  das  Machwerk  eines
gabenheischenden  Fahrenden  sind,  die  sich  leider  in  eine  sehr
alte  Handschrift  bereits  eingeschlichen  haben.  Auch  in  den
Nibelungenredactionen  erkennt  man  häufig  Zusätze  am  Preise
der  Milde,  an  der  Schilderung  der  Begabung;  in  dieser  Beziehung ­
  sind  besonders  Vers  7  und  12  bezeichnend.  Die  ganze
nichtssagende  Stelle,  der  dann  eine  so  gehaltvolle  und  eigenthiimliche
  folgt,  lautet:
En.  347,  1  da  wären  vorsten  here,
die  (lorcli  ir  selber  ere
unde  dorch  den  kunich  gäven.
herzogen  unde  gräven
und  die  kunege  riebe
die  gäben  herliche,
die  wenich  achten  den  schaden,
si  gäben  soumär  al  geladen
mit  schätze  und  mit  gewande
iehn  friesch  in  dem  lande  u.  s.  f.
Man  sieht:  nur  Bettelei.  Eine  Verbindung,  wie  V.  4,  5  fällt
bei  Veldeke  auf:  er  lässt  bei  dreigliedrigen  Formeln  gewöhnlich
das  einzelne  Glied  vorausgehen.  Aeussere  und  innere  Gründe
vereinigen  sich  für  die  Atethese  und  damit  fällt  die  Möglichkeit, ­
  hier  den  Schluss  des  Epos  anzunehmen.
Auch  sind  die  folgenden  Abschnitte  ganz  im  Stile  des
Ganzen  gehalten;  in  Sprache  und  Reim  nicht  der  geringste
Unterschied  —  und  es  handelt  sich  doch  um  dreihundert
Verse.  Endlich,  was  besonders  merkwürdig  wäre,  müsste
dieser  hinzugedichtete  Schluss  die  Schicksale  des  Ganzen:
niederdeutsche  Abfassung  und  hochdeutsche  Bearbeitung  gleichfalls ­
  erfahren  haben.  Wenn  ein  Freund  Vcldeke’s  —  nur  ein
solcher  ist  dann  als  Verfasser  denkbar  —•  diese  Verse  gedichtet
hat,  war  es  ein  Nieder-  oder  ein  Mitteldeutscher,  ein  Mastrichter
oder  Eisenacher?  Abei’,  wendet  Heinzei  ein,  354,  2  scheidet
sich  der  Autor  des  Schlusses  scharf  von  Heinrich  von  Veldeke,
von  dem  er  bisher  gesprochen  und  nimmt  für  sich  nur  die
Autorschaft  des  Schlusses  in  Anspruch  (cf.  S.  67.  353,  11.  12):
En.  354,  2  ich  habe  gesaget  rehte
des  herrn  Eneä  geslehte  etc.
            
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