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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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M  utli.

meint  umgekehrt,  die  Stelle  müsse  vor  1186  abgefasst  sein,
sonst  hätte  Heinrich  die  Gräfin  nicht  erwähnt.  Dass  Ettmüller
Unrecht  hat,  geht  einfach  daraus  hervor,  dass  Veldeke  zu  dieser
Frau,  wie  ja  die  Stelle  selbst  besagt,  nicht  erst  durch  ihren
Mann  in  Beziehung  getreten  ist,  und  dass  bei  diesen  mittelalterlichen ­
  Ehescheidungen,  bei  denen  zu  nahe  Verwandtschaft
und  die  dadurch  entstandenen  Gewissensscrupeln  den  Vorwand
abgeben  mussten,  der  sociale  Verkehr  der  beiden  Eheleute  oder
wenigstens  ihrer  Geschlechter,  insbesondere  wenn  die  Kirche
vermittelnd  dazwischen  trat,  nicht  nothwendig  abgebrochen  wurde.
Dass  ein  Vorgang  aus  dem  Jahre  1155  im  Verlaufe  der  Erzählung ­
  berührt  wird,  ist  ziemlich  irrelevant;  dass  aber  Heinrich
von  Schwarzburg  am  26.  Juli  1183  starb,  ist  wichtig,  da
die  letztere  Jahreszahl  einen  terminus  a  quo  abgeben  kann:
vor  1183  hat  der  Schwarzburger  seinen  Raub  ausgeführt;  neun
Jahre  später  vollendete  der  Dichter  sein  Werk  oder  erhielt  es
wenigstens  zurück,  das  ist  also  vor  1192.  Damit  sind  uns  nun
zwei  Grenzpunkte  gesteckt,  innerhalb  deren  sich  die  Untersuchung ­
  fernerhin  bewegen  muss:  zwischen  1175  und  1192  ist
die  Eneit  entstanden  —  vorausgesetzt,  dass  der  Dichter  unmittelbar ­
  nach  Wiederempfang  seines  Werkes  dasselbe  auch
zu  Ende  geführt  hat.
So  setzen  auch  alle  Litterarhistoriker  diese  Daten  an;
nur  dass  die  meisten  —  ganz  willkürlich  —  annehmen  1184,
das  Jahr  des  Festes  von  Mainz  sei  auch  das  Vollendungsjahr,
und  demgemäss  mit  grosser  Sicherheit  erklären,  die  Eneit  sei
zwischen  1175  und  1184  entstanden;  das  ist  aber  jene  Zeit,
in  der  nach  ihnen  selbst  der  Dichter  sein  Werk  gar  nicht
besass.  Lachmann  und  seine  Schüler  datirten  vorsichtiger.  Der
Minnesinger  Friedrich  von  Hausen  nahm  Theil  am  dritten
Kreuzzuge  und  fiel,  noch  vor  seinem  Kaiser,  6.  Mai  1190.  Derselbe ­
  kam  wiederholt,  ich  möchte  fast  sagen,  auch  in  diplomatischen ­
  Missionen,  an  den  Niederrhein, 1  woselbst  er  natürlicher-1
  Müllenhoff,  ZfdÄlt.  14,  135,  der  S.  136  annimmt,  dass  die  Eneit  unmittelbar ­
  nach  dem  Feste  von  1184,  also  nach  Pfingsten,  in  Thüringen
vollendet  wurde.  Wir  werden  unten  sehen,  dass  dem  der  Text  widerspricht, ­
  der  vielmehr  voraussetzt,  dass  seit  dem  Feste  längere  Zeit  verstrichen ­
  ist.  En.  347,  34.  Wenn  für  Miillenhoff,  wie  es  scheint,  der
Eindruck  bestimmend  ist,  von  dem  wir  Veldeke  beherrscht  sehen,  denn
            
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