Heinrich v. Veldeke u. d. Genesis d. romantischen u. heroischen Epik um 1190. 627
durch 2, 2944 die doen der costeryen plack — nicht urkundlich
oder überhaupt irgendwie nachweisbar ist, immer auf ziemlich
weite Grenzen, die wir höchstens durch formale Untersuchungen
einigermaassen verengen können, angewiesen sein werden, lässt
sich das Alter der Eneit mit aller wünschenswerthen Genauigkeit
bestimmen.
Zwei äussere Momente bilden immer die Grundlage dieser
Zeitbestimmung: das Fest, das Kaiser Friedrich I. 1184 hei
der Vermählung seines Sohnes und Nachfolgers Heinrich mit
der Erbtochter von Sicilien feierte und das so vielfach auf
beiden Seiten des Rheines, wie der Alpen, als die glänzendste
Feier, die jemals Abendland oder Christenheit begangen, gepriesen
wurde, ist von Heinrich in der Eneit, nahe dem Schlüsse
(sie zählt 13268, nach Ettmüllers fataler Zählung in 354
weniger 16 Spalten) 347, 13—348, 4. Das gibt einen terminus
a quo: nicht vor 1184 kann das Epos vollendet worden sein.
Ob eine nähere Bestimmung möglich ist, bleibt eine offene
Frage. Zum Schlüsse wird erzählt, Heinrich habe das ,buchelm‘
der Gräfin von Cleve ,ze lesene und ze scJiouwen‘ — er legte
sich also im Autograph eine Bilderhandschrift an — geliehen;
da sie sich mit dem Landgrafen (Ludwig von Thüringen) vermählte,
wurde das unvollendete Gedicht zu Cleve einer der
Frauen, der es anvertraut war, vom Grafen Heinrich von
Schwarzburg gestohlen: neun Jahre blieb es dem Dichter entwendet.
Demgemäss geschah dies frühestens im Jahre 1175.
Der Pfalzgraf Hermann zu Neuburg an der Unstrut (das ist
der nachmalige Landgraf) verschaffte Veldeke das Buch; ihm,
des Landgrafen Ludwig leiblichem Bruder, und dem dritten
Bruder, dem Grafen Friedrich (von Ziegenhain), widmet er
dann in der üblichen Weise das Gedicht En. 352, 19—354, 1.
Die hieran sich knüpfenden Fragen sind oft erörtert, ohne dass
zu Ettmüllers Zusammenstellung S. XIV—XIX etwas Nennenswerthes
beigebracht •worden wäre. Von dieser hier genannten
Gräfin von Cleve schied sich Ludwig um 1186; wenn er deshalb
aus zarter Rücksicht für die Frau, wie Heinzei fein und
treffend bemei’kt, nicht mit den anderen Brüdern in die Dedication
eingeschlossen ist, ist etwas Näheres für die Datirung
gewonnen. Wir werden sehen, ob die anderen Umstände
stimmen; Gewicht darf hierauf nicht gelegt werden; ja Ettmüller
Sitzungsber. d. phil.-hist. 01. XCV. Bd. III. Hft. 41