Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Stndien.

57

beim  Menschen  die  Gesellung  über  die  Geburt  des  Jungen
hinaus.  Auf  dieser  Stufe  entwickelt  sich  bereits  der  mechanische ­
  Instinct,  mit  welchem  der  Mensch  lange,  versehen  ist,
ehe  er  die  Gesetze  der  Mechanik  aufzufassen  vermag.  Der
Keim  einer  Sprache  entsteht,  der  freilich  erst  später  zur  Entfaltung ­
  kommt.  Ohne  Nachahmungstrieb  keine  Sprache.  ,Man
wird  zweifellos  mit  Ausrufungen  zur  Bezeichnung  der  ersten
Bedürfnisse  angefangen  haben;  hierauf  werden  die  begabteren
Individuen,  welche  mit  den  biegsamsten  Organen  geboren  waren,
einige  Articulationen  versucht  haben,  die  ihre  Kinder  wiederholten/ ­
  Die  ersten  Sprachen  dürften  monosyllabisch  gewesen
sein.  Nun  ging  es  mit  der  Gesellschaftsbildung  rascher  von
Statten.  Aber  zur  Entstehung  von  Reichen,  wie  sie  der  alte
Orient  aufweist,  bedurfte  es  ungezählter  Jahrtausende,  sowie
des  Zusammentreffens  vieler  begünstigender  Umstände. 1  Dieser
,concours  de  circonstances  favorables‘  ist  die  Formel,  durch
welche  die  mechanische  Weltanschauung  ihre  Entwicklungslehre ­
  von  den  entsprechenden  Doctrinen  der  teleologischen
Systeme  unterscheidet. 2
Für  die  Entwicklung  des  Menschen,  welchen  wir  bisher
nach  seiner  physischen  und  intellectuellen  Seite  gekennzeichnet
haben,  kommt  vor  allem  sein  moralischer  Charakter  in  Betracht. 3
Voltaire’s  gemässigter  Ansicht  standen  hier  zwei  diametral  entgegengesetzte ­
  outrirte  Meinungen  gegenüber.  Nach  der  einen
ist  der  Mensch  in  Folge  des  Sündenfalls  corrumpirt,  mit  der

1  Phil,  de  l’hist.,  3.  —  II  est  certain  qu’il  y  a,  dans  toutes  les  langues
du  monde,  une  logique  secrete  qui  conduit  les  idees  des  hommes  saus
qu’ils  s’en  aper<;oivent,  comme  il  y  a  une  geometrie  cacliee  dans  tous
les  arts  de  la  main,  sans  que  le  plus  grand  nombre  des  artistes  s’en
doute.  (A  Beaugee,  14.  Jänner  1768.)  Les  philosophes  n’ont  point  fait
les  langues  et  voilä,  pourquoi  elles  sont  toutes  imparfaites.  (Ibid.)
2  II  a  fallu  partout,  non  seulement  un  espace  de  temps  prodigieux,
mais  des  circonstances  lieureuses,  pour  que  l’homme  s’elevät  audessus
  de  la  vie  animale.  (Avant-propos  de  l’Essai.)
3  Tous  ces  peuples  ne  nous  ressemblent  que  par  les  passions  et  par
la  raison  universelle  qui  contrebalance  les  passions  .  .  Ce  sont  lä
les  deux  caraeteres  que  la  nature  empreint  dans  tant  des  races  d’hommes
differentes.  (Essai,  143.)  —  La  nature  a  donne  ä  l’homme  la  disposition
k  la  pitie  et  le  pouvoir  de  comprendre  la  verite.  Ces  deux  preseuts  de
Dieu  sont  le  fondement  de  la  societe  civile.  (Art.  Conscience.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.