620
Muth.
und von einem dritten nur der Titel erhalten. Sein Hauptwerk
ist die Eneit, in fünf vollständigen Handschriften (abgesehen
von einigen, genau classificirbaren, nicht allzu werthvollen
Fragmenten in Pfeiffers Quellenmaterial) erhalten, von denen
eine der heute nicht mehr brauchbaren ersten Ausgabe in
Myllers ,Gedichten des XII. und XIII. Jahrhunderts' zu Grunde
liegt; zwei, die zusammen die dem Urtexte fernest stehende
Gruppe bilden, von Ettmiiller für seine Bearbeitung herangezogen
wurde; eine gar erst zu den Zwecken dieses Aufsatzes
zum erstenmale verglichen worden ist, so dass wir thatsächlich
noch keine kritische Ausgabe dieses Werkes besitzen. Einer
solchen stellen sich auch, wie sich noch zeigen wird, ungewöhnliche
Hindernisse in den Weg, denn während bei anderen,
Hartmann etwa, die Ueberlieferung so reichlich und sicher
fliesst, dass wir Sprache und Stil, Keim und Brauch des Dichters
auf das genaueste kennen und mit apodiktischer Sicherheit
sagen können, ob eine Stelle apokryph ist oder nicht, mangelt
bei Heinrich derartige Beglaubigung gänzlich, da uns das
Original jedenfalls verloren ist und die beiden Gruppen bedenklich
differiren; dennoch ist mit Hilfe der dem Originale
näher stehenden Sippe GH (Gothaer und Heidelberger Handschrift),
die Ettmüller mit Unrecht gegen die freier redigirende
BM (Berlin-Münchener) hintangesetzt hat, ein leidlicher Text
herzustellen. Im Folgenden ist stets nach Ettmüller citirt. W,
die Wiener Handschrift (cod. pal. 2681), die schon dadurch
überaus merkwürdig ist, dass sie einen um wenigstens 2000
Verse gekürzten Text bietet und dessenungeachtet, und wiewohl
sie schon im ältesten kritischen Handschriftenkataloge
der Wiener Hofbibliothek von Hofmann aufgenommen ist, von
den Veldeke-Forschern bisher völlig ignorirt wurde, steht der
Gruppe BM nahe, aber nicht ohne Eigenthümliches zu bieten
und stellenweise vielleicht das Echte zu retten. 1 Ueber die
Mundart der Stammhandschrift ist noch zu handeln.
Dagegen liegt der Servatius, von dem wir lange nur aus
Piiterichs Ehrenbriefe Kenntniss hatten, nur in einer Handschrift
vor, die unzweifelhaft den Orginaltext wiedergibt, wenngleich
sie selbst erst aus dem XV. Jahrhunderte stammt, und zwar in
1 S. Beilage I.