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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Heinrich  v.  Veldeke  u.  d.  Genesis  d.  romantischen  u.  heroischen  Epik  um  1190.  619

und  Lachmann;  nach  ihnen  besitzen  für  das  vorliegende
Thema  speciellen  Werth  nur  die  Aufsätze  von  Pfeiffer,  Pey
und  Braune.

I.  Heinrich  von  Veldeke  und  seine  Werke.
Ueber  wenige  Männer  war  man  zu  allen  Zeiten  gleich
einig  im  günstigen  Urtheil,  .wie  über  Heinrich  von  Veldeke:
seine  litterarische  Stellung  scheint  so  determinirt,  sein  Einfluss
so  epochemachend,  sein  Buhn:  so  festgegründet,  dass  es  guter
Gründe  bedarf,  gegen  eine  derartige  Einstimmigkeit  ein  neues
und  abweichendes  Urtheil  zu  entwickeln.  Leider  hat  sich  die
Forschung  mit  diesem  Dichter  nicht  in  gleichem  Maasse  beschäftigt, ­
  wie  mit  dem  liebenswürdigeren  Hartmann  oder
Walther,  die  unserem  Gefühle  minder  fremdartig  sind,  und  die
wenigen  Arbeiten,  die  ihm  gewidmet  wurden,  behandeln  seine
Werke  beinahe  ausschliesslich  nach  der  sprachlichen  Seite,
die  des  Interessanten  und  Strittigen  allerdings  genug  bietet.
In  litterarhistorischer  Beziehung  war  man  so  einig,  wie  gesagt,
und  schien  sich  so  wenig  Neues  beibringen  zu  lassen,  dass
man  selbst  die  grossen  Funde,  den  Servatius,  die  Trierer  Epen
einfach  ein-  oder  richtiger  in  der  Reihe  vorschob  —  der  Zeit
nach,  ohne  eine  Ueberprüfung  des  Gesammtresultates  für
nothwendig  zu  halten  und  sich  die  Frage  vorzulegen,  ob  die
herkömmliche  Darstellung  noch  zu  den  Resultaten  der  Gegenwart ­
  stimme?  Fehler,  die  einmal  in  die  litterarhistorische  Tradition ­
  eindringen,  herrschen  durch  Menschenalter  —  und  so
ging  es  auch  mit  der  Chronologie  der  Werke  Heinrichs.  Gervinus,
  der  dem  Servatius  eine  eingehende  litterarisch-ästhetisclie
Würdigung  zu  Theil  werden  liess,  das  rein  historische  Moment
aber  völlig  vernachlässigte,  hat  zuerst  arge  Verwirrung  in
diese  Frage  gebracht,  ohne  dass  dieselbe  bisher  auch  nur  bemerkt, ­
  geschweige  denn  berichtigt  worden  wäre.  (Gesch.  d.  d.
Dicht.  I. 3 ,  453.)
Von  Heinrich  von  Veldeke  sind  uns  ausser  einer  Anzahl
(etwa  50  Strophen)  1  lyrischer  Gedichte  zwei  vollständige  Epen
1  MSF.  Nr.  IX.  S.  56—68;  versuchte  Herstellung’  einer  niederdeutschen
Urform  vor  Ettmiillers  Ausgabe  der  Eneit.  S.  3—14.
            
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