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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Heinrich  v.  Veldeke  u.  d.  Genesis  d.  romantischen  n.  heroischen  Epik  um  1190.  617

einmal  aus  der  allgemeinen,  mächtigen  Erregung  der  Geister,
dann  aus  seinen  ausgebreiteten  Verbindungen  an  einflussreicher,
ja  maassgebender  Stelle;  wenn  sich  aber  nichts  desto  weniger
herausstellen  wird,  dass  heute  wie  damals  dieser  Dichter  sowohl
als  seine  Dichtung,  nicht  so  sehr  in  Bezug  auf  inneren  Werth
als  vielmehr  die  litterarhistorische  Bedeutung,  wesentlich  überschätzt ­
  worden  sind,  ist  dies  Resultat,  wenn  damit  wirklich
eine  falsche  Grösse  aus  unserer  Litteraturgeschichte  beseitigt
oder  vielmehr  auf  ihr  richtiges  Maass  zurückgeführt  werden
sollte,  nicht,  wie  Anhänger  einer  bestimmten  Schule  unter  der
harmlosen  Maske  statistischer  Controle  jüngst  wollten,  als  ein
Ausfluss  modernes  Pessimismus  zu  betrachten,  sondern  ganz
einfach  als  gefunden  und  errungen  als  das,  was  sein  Autor  für
wahr  hält,  ausgehend  von  jener  gesunden  Skepsis,  die  nach
Herbart  der  Anfang  alles  Forschens,  wie  nach  Lessing  die
höchste  Befriedigung  des  Forschers  selbst  ist.

Vorbemerkung  über  die  Litteratur.
Da  die  Aufsätze  und  Abhandlungen,  die  Heinrich  von
Veldeke  betreffen,  nicht  so  allgemein  bekannt  und,  da  seine
Dichtungen  vornehmlich  Object  der  sprachlichen  Untersuchung
gewesen  sind,  viel  zerstreuter  sind,  als  die  über  andere  höfische
Epiker,  dürfte  es  am  Platze  sein,  eine  Bemerkung  über  das
zu  dieser  Abhandlung  benützte  Materiale  —  ohne  Anspruch  auf
kritische  Vollständigkeit  —  vorauszuschicken.
Von  allgemeineren  Werken  wurden  neben  den  bekannten
und  geläufigen  Litteraturgeschiehten,  in  denen  nur  eine  Bemerkung ­
  Martins  in  Wackernagels  Littg.  §.  56,  7  wichtig  ist,
angezogen  Jonckbloets  Geschichte  der  niederländischen  Litteratur ­
  und  Cholevius’  Geschichte  der  deutschen  Poesie  nach
ihren  antiken  Elementen.
Von  Veldeke’s  Werken  sind  nur  die  Lieder  wiederholt
herausgegeben  (von  Ettmüller  und  in  den  bekannten  Sammlungen); ­
  auf  My  Ilers  Abdruck  zurückzugehen  war  keine  Veranlassung; ­
  ebensowenig  boten  die  Fragmente  in  Pfeiffers
Quellenmaterial  Neues;  desto  mehr  die  vom  Verfasser  zum
erstenmale  verglichene  Wiener  Handschrift  Nr.  2861.  —  Die
            
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