Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

616

Mnth.

Der  dritte  Punkt  wird  sich  auch  in  präciser  Weise  dahin  erledigen ­
  lassen,  dass  während  wir  in  Thüringen  eine  Reihe  der
Hauptvertreter  der  romantischen  Richtung  in  ununterbrochener
Folge  verkehren  sehen,  der  Hof  von  Wien  vorwiegend  der
Pflege  volksthümlicher  Epik  zugewandt  war.
Nur  so  kann  der  Hof  der  Babenberger  solche  Bedeutung
erlangt  haben.
Denn  während  wir  auf  der  Wartburg  einen  Mann  im
Mittelpunkte  der  litterarischen  Bewegung  sehen,  den  Landgrafen
Hermann,  dem  sich  in  Folge  familiärer  Beziehung  jener  Dichter
zuwendet,  den  schon  die  nächste  Folgezeit  als  den  Begründer
der  streng  classischen  Richtung  ansieht,  Heinrich  von  Veldeke,
dem  wieder  eine  ganze  Reihe  namhafter  Männer  folgt,  sehen
wir  in  Wien  den  Thron  in  rascher  Folge  von  drei  Fürsten
eingenommen,  die  einer  in  des  andren  Fussstapfen  tretend,
doch  keinen  gleich  erlesenen  Kreis  um  sich  sammeln  und
dessenungeachtet  und  mit  vollem  Rechte  nicht  geringeren
Ruhmes  sich  erfreuen.  Es  waren  demnach  zumeist  fahrende
Leute  und  einheimische  Ritter,  deren  Namen  verklungen  sind,
die  den  hohen  Ruf  des  babenbergischen  Hofes  begründet  haben.
Den  äusseren  Anstoss  aber  für  diese  mit  einem  Male  so
mächtig  emporquellende  litterarische  Bewegung  pflegt  man  in
dem  Unternehmen  zu  sehen,  das  überhaupt  in  jenen  Tagen  die
Gemüther  in  die  höchste  Erregung  versetzte,  dem  Kreuzzuge
Friedrich  Rothbarts.
Die  Richtigkeit  und  Stichhältigkeit  dieser  Behauptungen
war  zu  untersuchen.
Es  wird  sich  zeigen,  dass  in  der  That  die  Bedeutung  des
dritten  Kreuzzuges,  der  noch  einmal  die  gesammte  abendländische ­
  Christenheit  in  allen  Schichten  auf  das  tiefste  erregte,
nicht  überschätzt  worden  ist;  es  lassen  sich  aber  auch  die
Fäden  nachweisen,  die  den  Zusammenhang  der  litterarischen
Centren  jener  Zeit,  der  nicht  ganz  so  lose  war,  als  es  wohl
den  Anschein  hat,  vermitteln;  wir  werden  auf  Beziehungen
stossen,  die  zwischen  den  Häuptern  der  litterarischen  Kreise
obwalten  und  die  zumeist  während  jener  Kreuzfahrt  angeknüpft
scheinen.
So  wird  sich  auch  der  sonst  unerklärliche  litterarische  Erfolg
der  Eneit  Heinrichs  von  Veldeke  erklären  ohne  allen  Zwang,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.