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Huyr.
fassung, dass die Geschichte das Reich der sinnvollen, geistig
belebten Veränderung und Fortschreitung sei; dass es gelte,
den Spuren des Geistes nachzugehen und sich über den jeweilig
erreichten Höhegrad ein Urtheil zu bilden.
Voltaire, der Erfahrungs- und Geschichtsphilosoph, liebt
nicht, den Menschen als isolirtes Wesen zu betrachten. So oft
er auf ihn zu sprechen kommt, denkt er sich ihn als Mensch
unter Menschen, als ,bete sociale'. In der gesammten Thierwelt,
lehrt er, manifestirt sich die Unveränderlichkeit der Instincte.
Der Vogel baut sein Nest, wie die Gestirne ihre Bahn
einhalten. Wäre der Mensch zu einem solitären Leben bestimmt
gewesen, wäre er dann wohl, dem Naturgesetze zuwider, ein
geselliges Wesen geworden? Der Mensch muss von Anbeginn
kraft Naturgebotes, nicht infolge naturwidriger Entwicklung in
Heerden gelebt haben. Freilich hat er nicht immer ,schöne
Städte, Vierundzwanzigpfünder, komische Opern und Nonnenklöster
gehabt; aber von jeher hat ihn der Instinct beseelt,
sich in seiner eigenen Person, in der Gefährtin seiner Lust,
in seinen Kindern, seinen Enkeln, den Werken seiner Hand
zu lieben'. 1 Weil der Grund zur Gesellschaft stets vorhanden
war, so hat es auch stets eine gegeben. So roh wir uns den
Menschen auch denken mögen, wie die Dachse oder Hasen
hat er nie gelebt.
Den stärksten Antrieb zur Geselligkeit bildet die sexuelle
Begierde. Auf ihr und dem instinctiven Wohlwollen für die
Gattung ruht die älteste, einfachste Grundform der Gesellschaft:
die Familie.' 2 ,Jedes Thier wird durch einen unbezwinglichen
Instinct zu allem getrieben, was seiner Erhaltung dienen kann;
es gibt aber Momente, in denen es durch einen fast ebenso
starken Instinct zur Paarung und Fortpflanzung angetrieben
wird, ohne dass wir jemals sagen könnten, wie dies alles vor
sich geht.' 3 Wie bei anderen Thieren, so erstreckt sich auch
1 Phil, de l’hist., 7.
2 Art. Amour. — L’homme n’est pas comme les autres animaux, qui n’ont,
que l’instinct de l’amour-propre et celui de raccouplement; non seulement
il a cet amour-propre necessaire pour sa Conservation, mais il a
aussi, pour son espfece, une bienveillance naturelle. (Traite de Metaphysique,
8.)
3 Phil, de l’hist., 7.