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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Math.

Mann  an  die  Spitze  der  Litteraturgeschichte  zweier  in  ihrer
sprachlichen  und  politischen  Entwicklung  seither  geschiedenen
Nationen  tritt,  der  Servatius  Heinrichs  von  Veldeke  hat  zwar
durch  Gervinus  und  seither  durch  Jonckbloet  eine  eingehende
ästhetische  Würdigung  erfahren,  in  Beziehung  auf  seine  chronologische ­
  Bestimmung  dagegen  ist  dem  ersteren  Forscher  ein
Versehen  begegnet,  das  die  litterarhistorisclie  Darstellung  seither ­
  zu  berichtigen  noch  keine  Gelegenheit  gefunden  hat.  Ist
also  hier  Stoff  zur  Nachprüfung  gegeben,  so  drängten  noch
mehr  hiezu  neuere  Handschriften;  nicht  so  sehr  das  auf  Schloss
Spiez  entdeckte  Manuscript  von  Hartmanns  Gregorius  mit  der
vollständigen,  bisher  unbekannten  Einleitung,  obwohl  anderthalbhundert ­
  Verse  eines  alten  Classikers  eine  wichtige  Bereicherung ­
  unseres  Materiales  sind,  um  so  wichtiger,  als  dieselben,
wie  sie  von  roher  Schreiberhand  überliefert  vorliegen,  dennoch
ohne  jede  Emendation  sich  zwanglos  und  ganz  den  aufgestellten
und  anerkannten  metrischen  Grundsätzen  und  Regeln  fügen.
Höheres  Interesse  durfte  der  Trierer  Fund  in  Anspruch
nehmen,  der  ein  Jahrzehnt  früher,  als  wir  anzunehmen  sonst
wohl  gewagt  hätten,  in  einer  Handschrift  vereinigt  zeigt  ein
höfisches  Rittergedicht  nach  französischem  Muster  mit  zwei
Legenden  desselben  Stiles,  deren  eine  aber  an  Dichtungen  etwas
älterer  Richtung,  die  uns  erhalten  sind,  unmittelbar  anknüpft.
Sehen  wir  aber  ab  von  diesen  geistlichen  Epen,  dem
Aegidius  und  Silvester,  dem  mitteldeutschen  Pilatus,  dem  bairischen ­
  (?)  Servatius,  auf  den  übrigens  noch  zurückzukommen  ist,
und  einigen  andern,  so  besitzen  wir  allerdings  nur  in  Ueberai'beitung
  oder  Bruchstücken  der  Originale  nicht  weniger  als
drei  Dichtungen  ritterlichen  Inhaltes,  die  an  grösserer  oder
geringerer  Formenstrenge  genau  dem  Zeitpunkte  ihrer  Entstehung ­
  entsprechen:  diesen  Flore  neben  den  räthselhaften
Fragmenten  der  halb  heroischen,  halb  romantischen  Geschichte
vom  Grafen  Rudolf,  der  im  folgenden  Jahrhundert  in  freilich
stark  veränderter  Gestalt  als  Crane  wieder  auftaucht,  und  die
Reste  der  ältesten  deutschen  Tristanbearbeitung  Eilharts  von
Oberge,  von  der  wir  uns  aber  mit  Hilfe  der  wohl  ei'haltenen
Bearbeitung  ein  völlig  zureichendes  Bild  machen  können.
Es  ist  klar,  dass  diese  Fragmente  zufällig  erhaltene
Trümmer  einer  zu  Grunde  gegangenen  Litteratur  sind.
            
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