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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Horawitz.

In  den  Zusammenhang  dieser,  Faber’s  Charakter  und
Strebungen  schildernden  Briefe  passt  das  Schreiben,  das  hier
publicirt  wird,  gut  hinein,  auch  dieses  berührt  natürlich  die
grosse  Frage  jener  Tage. 1
Unser  Brief  (Nr.  V  aus  dein  Jahre  1523)  unterhält  den
Constanzer  Vicar  von  dem  Erfolge  der  ,Spongia“  und  eifert
gegen  Jene,  die  den  armen  Hutten,  dem  er  nicht  besonders
zürne,  gegen  ihn  gehetzt  hätten  ,non  ob  aliud  nisi  ob  praedam‘(!),
er  hofft  bald  zu  erfahren,  wer  sie  seien,  wirft  einen  Seitenblick
auf  Strassburg  (nam  rursus  aliquid  monstri  alitur  Argentorati)
  und  berichtet  Aeusserungen  Luther’s  über  die  Spongia.
Den  Brief  Luther’s  habe  er  an  ihn  geschickt;  2  die  Aeusserungen ­
  Luther’s  nennt  er  die  ,praeludia  belli“,  ein  um  so  zutreffenderes ­
  Wort,  als  er  ja  selbst  schon  daran  war,  die  Schrift
,de  libero  arbitrio“  zu  beginnen,  wie  der  vorliegende  Brief,  der
auch  über  andere  literarische  Arbeiten  des  Erasmus  Bericht
erstattet,  verkündet.  Er  spricht  endlich  sein  Vertrauen  auf
Faber  aus,  dass  dieser  die  Reinheit  des  Evangeliums  nicht
an  die  Pharisäer,  Schreiber  und  Bischöfe  (Päpste?)  verrathen
werde  (!).  So  würde  er  bleibenden  Ruhm  bei  der  Nachwelt
gewinnen.  Er  beklagt  den  Tod  des  Papstes  Hadrian,  bittet
den  Faber,  seinem  begabten  Fürsten  ein  guter  Rathgeber
zu  bleiben,  ihn  selbst  demselben  wie  Pirkheimern  zu  empfehlen
und  ein  evangelisch  3  gesinnter  Mann  sein  zu  wollen.  Die
Schlussbemerkung  ist  gegen  Murner  gerichtet.  —  Von  den
,praeludia  belli“  hatte  Erasmus  gesprochen,  mittlerweile  hatte

1  Ich  kann  nicht  beweisen,  dass  diess  der  Brief  sei,  von  dem  Erasmus  in
dem  Schreiben  an  Melanclithon  behauptet  (Clerieus  III.  817):  Addiderunt
epistolam  meam  ad  Joannem  Fabrum,  plusquam  ex  tempore  scriptam,
quae  tarnen  deelarat,  quam  non  incitem  quemdam  ad  saeuitiam,  aut  ad
prodendum  Euangelium.
2  Die  Notiz,  dass  er  Luther’s  Brief  an  ihn  geschickt,  zusammengehalten
mit  den  Angaben  über  seine  literarischen  Novitäten  und  dem  am  14.  September ­
  1523  eingetretenen  Ableben  Papst  Hadrian’s  zeigt  aufs  Nene  die
unrichtige  Datirung  bei  Clerieus,  der  Luther’s  Brief  über  die  Spongia
(p.  846)  ins  Jahr  1524  statt  1523  ansetzt.
3  Die  Bezeichnung  evangelisch  bedeutet  einem  Adressaten  wie  Faber  gegenüber ­
  natürlich  nicht  lutherisch,  sondern  ,im  Sinne  des  Evangeliums“,  in
welcher  Bedeutung  Erasmus  es  stets  braucht.
            
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