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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Erasmiana.  II.

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durch  böswillige  Verschlagenheit  mische  man  jene  in  den
Streit,  um  sie  mit  demselben  Geschosse  zu  vernichten.  So
seien  manche  zu  Luther  übergegangen,  die  ihm  sonst  gewiss
nicht  freundlich  gesinnt  gewesen  wären.  Man  müsse  staunen,
wie  schnell  sich  dieses  Contagium  verbreitet  habe,  aber  auch
die  deutsche  Natur  berücksichtigen,  die  sich  wohl  leiten,  aber
nicht  zwingen  lasse,  vor  Allem  aber  sich  hüten,  dass  nicht  die
angeborene  Wildheit  (ferocitas)  dieses  Volkes  durch  das  Wüthen
Einiger  zum  Ausbruch  komme.  Man  blicke  doch  auf  Böhmen
und  die  Nachbarländer.  Der  Hass  des  römischen  Namens  sei
bei  vielen  Völkern  verbreitet  wegen  der  Erzählungen  von  dem
Lebenswandel  der  Stadt  Rom  und  dem  Benehmen  Jener,  die
im  Namen  des  Papstes  ihre  Interessen  verfolgen  ....
Bis  hieher  war  es  Erasmus  schon  schwer  geworden,  über
Faber’s  Ansichten,  die  übrigens  fast  keine  anderen,  als  die
seinen  sind,  zu  referiren,  er  mischte  stets  seine  Gedanken
ein,  hier  fällt  er  nun  völlig  aus  dem  Texte  und  spricht  über
Luther  in  der  Weise,  wie  in  einem  später  vorzuführenden
Briefe  an  Faber.  Hier  wie  dort  treffen  wir  ganz  Aelmliches,
am  Schlüsse  des  vorliegenden  Briefes  bringt  er  als  angeblichen
Vorschlag  Faber’s  den  Plan  eines  Schiedsgerichtes  aus  gelehrten ­
  und  unbescholtenen,  völlig  verdachtsfreien  Männern.
Näheres  werde  —■  der  überaus  gelobte  —  Faber  selbst  mittheilen, ­
  Erasmus  wünscht,  dass  davon  in  Worms  Gebrauch
gemacht  werde;  gewiss  hat  er  sich  selbst  als  einen  der  Schiedsrichter ­
  gesehen.
Zweifellos  zeigt  aber  dieser  Brief,  wie  einig  sich  Erasmus ­
  mit  Faber  fühlte,  den  er  auch  um  1524  seinen  alten  Freund
nennt.  1  Des  Erasmus  warme  Empfehlungen  —  allerdings
unterstützt  durch  viele  andere  Umstände  und  vor  Allem  durch
Faber’s  Brauchbarkeit  in  dem  Kampfe  gegen  Luther  und
dessen  Gesinnungsgenossen  —  hatten  Erfolg.  Am  25.  September ­
  1523  konnte  Erasmus  dem  Goclenius  melden,  sein  Faber
sei  am  Hofe  Ferdinands,  der  ausserordentlich  gegen  die  Lutheraner ­
  wüthe, 2  mit  einem  sehr  bedeutenden  Gehalte  angestellt
worden.

1  Clericus  III.  754.
2  Ibidem  773.  Saeuit  et.  Ferdinandus  mire  in  Lutlieranos.
            
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