Erasmiana. II.
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durch böswillige Verschlagenheit mische man jene in den
Streit, um sie mit demselben Geschosse zu vernichten. So
seien manche zu Luther übergegangen, die ihm sonst gewiss
nicht freundlich gesinnt gewesen wären. Man müsse staunen,
wie schnell sich dieses Contagium verbreitet habe, aber auch
die deutsche Natur berücksichtigen, die sich wohl leiten, aber
nicht zwingen lasse, vor Allem aber sich hüten, dass nicht die
angeborene Wildheit (ferocitas) dieses Volkes durch das Wüthen
Einiger zum Ausbruch komme. Man blicke doch auf Böhmen
und die Nachbarländer. Der Hass des römischen Namens sei
bei vielen Völkern verbreitet wegen der Erzählungen von dem
Lebenswandel der Stadt Rom und dem Benehmen Jener, die
im Namen des Papstes ihre Interessen verfolgen ....
Bis hieher war es Erasmus schon schwer geworden, über
Faber’s Ansichten, die übrigens fast keine anderen, als die
seinen sind, zu referiren, er mischte stets seine Gedanken
ein, hier fällt er nun völlig aus dem Texte und spricht über
Luther in der Weise, wie in einem später vorzuführenden
Briefe an Faber. Hier wie dort treffen wir ganz Aelmliches,
am Schlüsse des vorliegenden Briefes bringt er als angeblichen
Vorschlag Faber’s den Plan eines Schiedsgerichtes aus gelehrten
und unbescholtenen, völlig verdachtsfreien Männern.
Näheres werde —■ der überaus gelobte — Faber selbst mittheilen,
Erasmus wünscht, dass davon in Worms Gebrauch
gemacht werde; gewiss hat er sich selbst als einen der Schiedsrichter
gesehen.
Zweifellos zeigt aber dieser Brief, wie einig sich Erasmus
mit Faber fühlte, den er auch um 1524 seinen alten Freund
nennt. 1 Des Erasmus warme Empfehlungen — allerdings
unterstützt durch viele andere Umstände und vor Allem durch
Faber’s Brauchbarkeit in dem Kampfe gegen Luther und
dessen Gesinnungsgenossen — hatten Erfolg. Am 25. September
1523 konnte Erasmus dem Goclenius melden, sein Faber
sei am Hofe Ferdinands, der ausserordentlich gegen die Lutheraner
wüthe, 2 mit einem sehr bedeutenden Gehalte angestellt
worden.
1 Clericus III. 754.
2 Ibidem 773. Saeuit et. Ferdinandus mire in Lutlieranos.