584
H o r a w i t z.
Eben der grosse Gelehrte war es, der Faber auch bei einigen
Räthen am Hofe aufs wärmste empfahl. So nennt er ihn in
seinem Briefe an Johannes Villinger (Romani et Hispan. Regis
Thesaurarius) vom 3. October 1520 1 als einen Mann, dessen
Bitten oder vielmehr Verdienste ihn zwängen, an Villinger
ein Ansuchen zu richten. Er rühmt dessen ausgezeichnete Anlagen,
seine seltene Unbescholtenheit, nicht gewöhnliche Gelehrsamkeit,
sein scharfes Urtheil, seine Verlässlichkeit und
unglaubliche Humanität, nennt ihn eine ausserordentliche Zier
seines Ordens, der sich wohl selbst empfehlen werde. Er lässt
auch durchleuchten, dass Faber Einer von denen sei, durch
deren Tüchtigkeit die Monarchien gestützt und geziert würden.
Nicht weniger warm empfahl er ihn auch an Peutinger 2 am
9. November 1520. Er sei sehr verschieden von gewissen Mitgliedern
seines Ordens, schreibt da Erasmus, besitze gründliche
Gelehrsamkeit, Unbescholtenheit und Leutseligkeit, sei
von klarem Urtheilc und Ueberlegung. Oft habe er mit ihm
die Mittel berathen zur Beilegung der lutherischen Tragödie.
In Folgendem lässt sodann Erasmus eine Charakteristik
der Ansichten Faber’s folgen. Faber, sagt er, schrecke nicht
so sehr vor Strenge zurück, aber er bezweifle ihren Erfolg, 3
früher müsse man Alles überlegen, bevor man das angreife,
wozu der Wille treibe. Man müsse auf die Würde und das
Ansehen des Papstes Rücksicht haben. Nicht darauf, meine
Faber, komme es an, was Luther verdiene und dass ihm Einige
anhängen, sondern auf die Ruhe der Welt. Es handle sich
sehr darum, wer an dieses Unheil die Hand anlege und durch
welches- Mittel es geheilt werde. Es drängten sich zu diesem
Geschäfte auch Solche, die durch ihre Lässigkeit das Uebel
verschlimmern und verdoppeln und nicht so sehr für das Ansehen
des Papstes als vielmehr für ihren Vortheil sorgen. Es
sei ja nicht nöthig, Luther’s wegen auch die schönen Wissenschaften
zu schädigen. Aus dem Hasse gegen diese schönen
Wissenschaften sei ja die ganze Bewegung hervorgegangen,
1 Clericus III. 583.
2 Ibidem 590.
3 Ibidem: Quibusdam uidetur Optimum factu, ut res omnis saeuitia coerceatur,
a quibus nec Faber admodum dissentit, nisi metueret, ne parum
feliciter cedat austeritas.