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Hora witz.
dissidium 7 nulli bono non perniciosum. Et ita sancta quadam
uafritie tempori seruiendum (!) ac tarnen prodatur thesaurus
Euangelicae ueritatis, unde corrupti mores publici possent
restitui. — Fortasse rogabit aliquis, num alio sim animo in
Lutherum quam fuerim olim. Imo eodem sum animo, semper
optaui, ut mutatis quibusdam, quae mihi displicebant,
pure tractaret Euangelicam Philosophiam, a quo nostri seculi
mores heu nimium degenerarunt. Semper correctum malui,
quam oppressum. Optabam illum sic tractare Christi negotium,
ut Ecclesiae Proceribus aut probaretur aut certe
non reprobaretur. Sic amari cupiebam Lutherum, ut
p a 1 a m a c t u t o posset amari.
Diess ist doch ein klar ausgesprochenes Programm! Erasmus
will die Reform der Kirche, aber i n und mit der Kirche;
er billigt Luther’s Ansichten im Ganzen und Grossen, nicht
aber die Art seiner Aeusserungen, am wenigsten will er durch
ihn ins Gedränge und in Unannehmlichkeiten gebracht werden,
er will endlich Luther in seinen eigenen Fusstapfen wandeln
sehen; tadeln mag er so viel er will, aber nur den Gelehrten
gegenüber, die grosse Masse soll nichts davon erfahren, mag
er noch so scharf die Gebrechen der Kirche geissein, es soll
diess doch so vorsichtig, so fein und so allgemein gehalten
sein, dass es die Kirchenfürsten nicht erbittert, am allerwenigsten
aber dürfe es zu dem verhassten und höchst gefährlichen
,dissidium‘ führen, das des Erasmus gewohnte Lebenskreise
perturbire. Erasmus forderte damit freilich von Luther’s kraftstrotzender
rücksichtsloser Natur etwas dieser Unmögliches.
Wenn er aber solche Briefe schrieb, wie den vorliegenden
hochwichtigen an Jonas, hatte er ein schwieriges Stück Arbeit
zu leisten. Wie leicht konnte doch der Brief, aufgefangen und
edirt werden! Es durfte sich dann nichts darin finden lassen,
das die eifernden Gegner gegen ihn verwenden könnten, Luther’s
Werk durfte nie eine Billigung erfahren, Erasmus sich
gegen diesen stets möglichst kühl und ablehnend verhalten.
Andererseits ging der Brief aber an Geistesverwandte Luther’s,
an gelehrte Freunde, die mehr oder minder im Gedankenkreise
des Reformators standen; es durfte nicht an einigen
freundlichen — freilich sorgfältig verclausulirten Worten fehlen.
— Wie stets hat auch hier Erasmus ein Meisterwerk geliefert,