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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Höfl  er.

den  römischen  Geschichtschreibern  anweist.  Er  huldigt  der
Ueberzeugung  von  dem  Walten  der  Adrasteia,  einer  vergeltenden ­
  Gerechtigkeit  auf  Erden,  die  sich  an  die  freien  Thaten
der  Menschen  anknüpft,  während  Zosimos  aus  der  Befangenheit ­
  eines  Cultus  nicht  herauskommt,  der  im  Absterben  begriffen, ­
  sich  an  Zeichendeuterei,  an  trügerische  Prophezeiungen
anklammert  und  im  Untergange  der  alten  Welt  nicht  das
natürliche  Ende  eines  langen  Processes,  der  endlichen  Ausgeisterung ­
  erkennt,  sondern  nur  das  Werk  einer  Usurpation,
der  Verdrängung  legitimer  Götter.  Die  Verbissenheit,  welche
Julian  charakterisirt  und  ihn  verleitete,  im  Christenthume  nur
das  Werk  der  Schlechtigkeit  zu  erblicken,  hat  sich  nicht  nur
des  Zosimos  bemächtigt,  sie  trübt  seinen  Blick  in  Bezug  auf
die  Ereignisse  seiner  Umgebung  wie  der  jüngsten  und  entfernteren ­
  Vergangenheit.  Kaiser  Constantin  erscheint  ihm  nur
in  dem  grellen  Lichte  eines  Neuerers,  das  Julian  angezündet.
Der  falsche  Grundton  klingt  durch  und  erzeugt  eine  Missstimmung, ­
  die  nicht  mehr  aufhört.  Schon  bei  der  Erörterung
der  diocletianischen  Zeit  kommt  Namensverwechslung  und  Irrthum ­
  vor.  Keltisch  und  germanisch  wird  regelmässig  untereinandergeworfen, ­
  so  dass  Paris  selbst  eine  germanische  Stadt
wurde.  Aehnliche  Fehler,  Mangel  an  Genauigkeit  und  Sachkenntniss,
  begegnet  uns,  wie  oben  gezeigt,  häufig.  Ich  glaube
auf  keinen  Widerspruch  zu  stossen,  wenn  ich  sage,  so  weit  als
Ammianus  reicht,  bleibt  er  auch  die  Hauptquelle  und  wenn
dieser  zum  Schlüsse  seines  378  endenden  Werkes  sagt,  er  habe
die  Wahrheit  bekannt,  niemals  wissentlich  verschwiegen  oder
gelogen,  so  muss  ihm  die  Beistimmung  des  Lesers  folgen.  Der
Werth  der  letzten  Bücher  des  Zosimos  besteht  wesentlich
darin,  dass  über  die  ersten  Jahre  des  Honorius  die  Quellen
so  sparsam  fliessen  und  er  die  Person  Stelicho’s  in  den  Vordergrund ­
  stellt,  mit  Recht  die  Aufrechthaltung  des  Reiches  an
die  Erhaltung  dieser  ausgezeichneten  Persönlichkeit  anknüpft.
Grösseres  Verdienst  wird  ihm  wohl  kaum  zuerkannt  werden.
Ungeachtet  aller  Verkleinerung,  die  sich  Zosimos  erlaubt,  bestand ­
  der  gx'össte  Fehler,  den  Theodosius  beging,  in  seiner  kurzen
Regierung  und  obwohl  ihm  ein  sehr  erbärmliches  Geschlecht
nachfolgte,  war  noch  immer  die  Frage,  was  besser  sei,  der
Mangel  an  einer  Dynastie  mit  all  den  Schwankungen  und  Er-
            
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