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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Höf  ler.

odicte,  ist  die  Frage,  ob  die  Periode  der  Flavier  dem  Christenthum ­
  mehr  Nachtheile  als  Vortheile  brachte,  gar  nicht  müssig.
Das  Mailänderedict  aber,  wie  die  zu  Gunsten  der  Christen
nachfolgenden  Veränderungen  in  der  Gesetzgebung  waren
nicht  Gnadengeschenke  auf  Ruf  und  Widerruf,  sondern  die
unausbleiblichen  Folgen  vorausgegangener  haltloser  Zustände
und  des  erwähnten  Culturkampfes,  in  welchen  sich  die  römische
Staats-  und  Cultusverwaltung  eingelassen  hatte  und  der  ein
ganz  anderes  Resultat  erzeugte,  als  man  beabsichtigt  hatte.
Es  war  aber  das  hervorragende  Verdienst  Constantins,  dass  er
bei  den  Einrichtungen  des  Diocletianus  nicht  stehen  blieb,
nicht  die  Verfolgungsperiode  erneute,  nicht  das  doppelte  Kaiserthum ­
  länger  duldete  als  es  unbedingt  nothwendig  war,  nicht
vier  Kaiserstädte  erhielt,  sondern  die  unterdessen  gross  gewordenen ­
  Bedürfnisse  berücksichtigte.  Volk  und  Staat  waren
in  das  Heer  aufgegangen;  längst  entschied  nicht  mehr  der
Senat,  sondern  das  Heer.  Indem  Constantin  die  Civilgewalt
von  der  Militärgewalt  schied,  brach  er  das  Uebergewicht  des
Heeres  so  weit  es  noch  möglich  war,  dem  Organismus  des
Heeres  wurde  der  Organismus  der  Beamten  gegenüber  gestellt.
Offenbar  war  es  auch  der  Charakter  des  Heeres,  der  die
Lösung  der  christlichen  Frage  im  Sinne  der  Gleichberechtigung
möglich,  ja  nothwendig  machte.  Das  Heer  entschied  den  Sieg
der  flavischen  Dynastie,  das  Heer  entschied,  dass  nach  Julian
nicht  dessen  Verwandte  und  Freunde  den  Thron  erlangten,
sondern  Männer  einer  entgegengesetzten  Richtung,  wenn  auch
erst  Gratian  wagen  konnte,  ganz  und  gar  mit  den  Traditionen
der  Vorzeit  zu  brechen,  was  Zosimos  Anlass  gab,  seine  eigenthümlichen
  archäologischen  Kenntnisse  auszukramen,  und  nachdem ­
  Versuche  gemacht  worden  waren,  dem  rechtmässigen  und
christlichen  Kaiserthum  ein  usurpatorisches  und  heidnisches
entgegenzustellen,  die  übrigens,  weil  sie  misslangen,  Zosimos
in  ihrer  wahren  Bedeutung  nicht  hervorhebt,  war  endlich  auch
der  Moment  gekommen,  in  welchem  der  Sieger,  Theodosius,
mit  dem  Heidenthume  aufräumen  konnte,  die  Gleichberechtigung
sich  in  die  Ausschliesslichkeit  einer  herrschenden  Religion
umwandelte  und  gegen  das  Ende  des  IV.  Jahrhundertes  vollendet ­
  wurde,  was  Constantin  in  der  ersten  Hälfte  begonnen
hatte.  Traurig,  dass,  als  jetzt  das  Reich  die  Wohlthaten  der
            
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