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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  VII.

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verrichtete  und  dadurch  seiner  Sache  am  meisten  schadete.
Ein  weiteres  und  sehr  wichtiges  Stadium  bestand  in  dem  Bau
der  Constantinstadt,  angeblich  im  Verdrusse  mit  dem  römischen
Senate,  dem  Vertreter  des  Staatscultus,  wie  Zosimos  die  Sache
darstellen  möchte,  in  Wahrheit  aber  weil  sich  längst  herausgestellt ­
  hatte,  dass  das  Reich  ebensowenig  von  Rom  als  von
einer  der  Kaiserstädte  aus  regiert  werden  könne,  in  welchen
Diocletianus  und  seine  Auguste  und  Cäsaren  ihre  Residenzen
auf  geschlagen;  die  Rückwirkung  auf  Rom  war  aber  ganz
ungemein.  An  Rom,  den  Tempel  des  capitolinischen  Jupiter,
das  Capitol,  den  Palatin,  knüpfte  sich  die  ganze  religiös-politische ­
  Vergangenheit  des  römischen  Staates,  die  Begründung
der  Weltherrschaft,  der  Sieg  der  römischen  Götter  an,  denen  zu
Ehren  die  im  Triumphe  aufgeführten  Könige  und  Fürsten  ihren
Tod  fanden.  Als  jetzt  eine  Hauptstadt  gewählt  wurde,  die
nicht  nach  Beobachtung  des  Vögelfluges,  der  Augurien,  dazu
bestimmt  wurde,  wohl  aber  die  höchstverehrten  Götterbilder
der  griechischen  Welt  als  Trophäen  erblickte,  die  selbst  sich
nach  dem  Willen  des  Imperators  eine  Verstümmlung,  eine
Anpassung  an  den  neuen  Ideenkreis  gefallen  lassen  mussten,
wie  Zosimos  gelegentlich  ausführt,  so  war  ein  weiterer  schinachhaltiger
  Bruch  mit  dem  Staatseultus  erfolgt.  Jetzt  Wales ­
  für  die  alten  Götter  Zeit  sich  zu  rühren,  ihre  Sache  gegen
den  Neuerer  zu  vertheidigen;  sie  Hessen  geschehen,  was  sie
nicht  ändern  konnten.  Selbst  die  grossen  Götter  von  Samothrake
  halfen  nicht,  obwohl  man  sie  damals  noch  anrief.  Es  ist
eine  grosse  Lächerlichkeit,  fortwährend  zu  behaupten,  Constaiitin
  habe  die  christliche  Religion  zur  Staatsreligion  erhoben.
Der  Arianismus  sollte  es  werden  und  ward  es  vorübergehend
unter  den  Söhnen  Constantins,  das  Christenthum  schlug  aber
unter  Constantin  die  freie  Bahn  ein,  die  ihm  durch  das  Mailänderedict
  eröffnet  worden  war.  Die  Pönalgesetze  schwanden
und  da  das  Christenthum  die  Religion  der  Majorität  des  römischen ­
  Volkes  durch  sich  selbst  geworden  war,  bedurfte  es
keiner  weiteren  staatlichen  Erklärung.  Es  war  so  gefestigt,
dass  es  nur  durch  Streitigkeiten  im  eigenen  Schoosse  erschüttert
werden  konnte  und  gerade  diese  so  wichtigen  und  tiefgreifenden ­
  Bewegungen,  welche  der  Reaction  unter  Julian  Vorschub  bereiteten, ­
  entgingen  Zosimos  gänzlich.  Abgesehen  vom  Mailänder-
            
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