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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  VII.

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wie  die  Freien,  die  Männer  wie  die  Frauen,  den  Soldaten  wie
die  Magistratsperson  und  je  inniger  der  antike  Cultus  mit  dem
antiken  Staate  zusammenhing,  desto  grösser  war  die  Wirkung
auf  den  Staat  als  sein  Cultus  zusammenbrach,  er  noch  Tempel
und  Priester,  die  Tempel  Ländereien  und  Einkünfte  besassen,
die  Priester  von  diesen  lebten,  aber  die  Masse  sieb  wegwandte
und  der  Staatscultus  eine  Lüge  wurde,  da  der  veränderte  Glaube
in  den  Staatsgöttern  nur  mehr  Dämonen  erblickte.  Die  Edicte
des  Theodosius  zu  Gunsten  des  Christenthums  beruhten  auf
dem  factischen  Zustande  des  Reiches,  auf  der  Veränderung  der
Dinge,  die  das  IV.  Jahrhundert  herbeigeführt,  auf  dem  Misserfolge ­
  Julians  in  Betreff  der  Wiederbelebung  des  antiken
Cultus,  auf  der  Niederwerfung  des  von  Eugenius  erneuten  Versuches. ­
  Wäre  der  Blick  des  Zosimos  nicht  durch  seine  Parteistellung ­
  so  sehr  getrübt  worden,  er  hätte  sich  sagen  müssen,
dass  seine  Argumentation,  weil  Rom  durch  die  antiken  Götter
gross  geworden,  müsse  der  Cultus  derselben  beibehalten  werden,
sich  von  selbst  widerlegte,  da  alle  Verfolgungen,  an  welchen
es  die  römischen  Kaiser  des  IV.  Jahrhundertes  nicht  hatten
fehlen  lassen,  die  leeren  Tempel  doch  nicht  füllten.  Die  Gemeinde ­
  fehlte  und  die  Magistrate  konnten  diese  nicht  ersetzen.
Der  antike  Staat  durfte  freilich  keinen  anderen  Cultus  aufkommen
lassen  als  den  Staatscultus,  sonst  war  er  verloren;  das  ist  auch
die  Ueberzeugung  des  Zosimos,  darum  zürnt  er  so  sehr  über
die  Neuerung  Constantins.  Aber  was  im  Anfänge  des  IV.  Jahrhunderts ­
  Neuerung  gewesen  war,  war  es  nicht  mehr  am  Ende
desselben,  nicht  im  V.  Jahrhunderte.  Zosimos  gewahrt  nicht,
dass  er  auf  einem  ganz  veralteten  Standpunkte  stehe,  für
welchen  er  fortwährend  Geltung  verlangt,  als  wären  noch  alle
Prämissen  der  früheren  Zeit  vorhanden.  Gerade  die  eigentliche ­
  Bedeutung  des  Christenthums  war  ihm  unbekannt  geblieben. ­
  Vom  ersten  Momente  hatte  sich  das  Christenthum
als  welterlösende  That  bezeichnet  und  nicht  etwa  auf  Rom  und
den  römischen  Staat  beschränkt,  die  Apostel  hatten  den  Auftrag ­
  erhalten,  alle  Völker  zu  lehren  und  zu  taufen  und  diejenigen, ­
  welche  sich  nach  Rom  gewandt,  hatten  dort  den  Tod
erlitten;  diejenigen,  welche  als  Staatsverbrecher  hingerichtet
worden  waren,  waren  die  Begründer  der  Kirche  Roms  geworden,
wurden  als  Märtyrer  verehrt,  im  Kampfe  mit  dem  Staatscultus
            
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