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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Höfler.

beiführte,  fehlt  ihm  für  die  neue  Zeit,  die  sich  im  IV.  Jahrhunderte ­
  der  christlichen  Zeitrechnung  für  die  römische  Welt
aufthat,  jeder  Sinn  und  jedes  Verständniss.  Aber  auch  dafür,
dass  ein  neuer  politischer  Antagonismus  sich  damals  austrug,
die  Frage  ob  der  Orient,  ob  der  Occident  siegreich  aus  der
Messung  der  Kräfte  hervorgehen  werde,  unter  welcher  Form
die  Einheit  des  Reiches  durchgesetzt  werden  könne,  ob  auch
nur  unter  der  Einheit  der  Dynastie  und  welche  Gestaltung  das
Reich  dann  annehme,  wenn  das  Einheitsprincip  aufgegeben
werden  müsste,  ist  ihm  nicht  klar  geworden.  Er  ist  ein  Doctrinär
des  V.  Jahrhundertes,  dem  es  an  wahrem  politischen  Verständnisse ­
  gebricht.
In  dem  Augenblicke,  als  die  drei  Söhne  des  grossen
Kaisers  das  dreifache  Imperium  durch  Bürgerkrieg  und  Bruderblut ­
  zu  vereinfachen  sich  bemühen,  macht  sich  doch  mit  aller
Gewalt  die  Frage  geltend,  was,  wenn  die  Einheit  der  Dynastie
von  denen  selbst  aufgegeben  werde,  die  sie  vor  Allem  zu  bewahren ­
  hatten,  das  Schicksal  des  Reiches  werden  müsste?
Kaum  war  Constantin  II.  im  Streite  mit  dem  jüngsten  Bruder
Constans  gefallen,  so  tritt  in  Gallien  Magnentius,  in  Pannonien
Vetranio  als  Gegenkaiser  auf;  es  rührt  sich,  als  Constans  durch
Magnentius  erschlagen  wurde,  im  Schoosse  der  flavischen  Nebenlinien. ­
  Nepotianus, 1  Sohn  einer  Schwester  Kaiser  Constantins  I.,
sucht  sich  in  Altrom  ein  Kaiserthum  zu  erwerben  und  so  entsteht ­
  der  Kampf  um  die  Legitimität,  in  welchem,  nachdem
Magnentius  bereits  den  Nepotianus  beseitigt,  die  Legionen  des
Constantius  erklären,  die  Auswüchse  des  Kaiserthums  beseitigen
zu  müssen. 2  Sie  zwingen  Vetranio  zur  Abdankung,  Constantius
aber  muss  sich  denn  doch  bereits  auf  die  noch  übrige  flavische
Nebenlinie  stützen,  erhebt  den  Sohn  eines  Bruders  Kaiser  Constantins ­
  I.  und  Bruder  Julians,  Gallus,  zum  Cäsar  und  gibt
ihm  seine  Schwester  Constantia,  Kaiser  Constantins  Tochter,
zur  Gemahlin,  Magnentius  aber  macht  jetzt  den  Decentius,
seinen  Verwandten  zum  Cäsar  und  der  Kampf  zwischen  Occident
und  Orient  entbrennt  aufs  Neue  an  der  Grenze  von  Noricum

1  Potentianus  materna  stirpe  Flavio  propintpius.  Sext.  Aur.  Victor  de  Caesar,
c.  42.
2  ia  x(ßo7]Xa  1%  ßaac)*£(a;  izxocQodpsaÖai.
            
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