AbhancUnngen aus dem Gebiete der alten Geßchichte. YII. 531
Zosimos. Wüssten wir von dem Begründer Constantinopels,
von dem Kaiser, der dem Reiche die Einheit wieder gab und
die Fehler des diocletianischen Staatsorganismus wesentlich
verbesserte, nur, was uns Zosimos von ihm mittheilte, so hätten
wir es mit einem treulosen Fürsten zu thun, der durch den
Einfluss von Weibern bewogen, auf die ein Spanier Namens
Aigyptios einzuwirken verstand, in Rom gegen den alten Götterglauben
auftrat, vor den Flüchen der Römer eine andere Hauptstadt
suchte, diese in Byzanz fand, das er mit grossen Theils
unsinnigen Bauten erfüllte; der das Reich ruinirte, 1 als er die
verderbliche Neuerung der vier grossen Präfecturen begründete,
die Civilgewalt von der militärischen trennte, dem Heere eine
andere Eintheilung gab, die Soldaten von den Grenzen nach
den Städten verlegte und ein Steuersystem einführte, so dass,
wie Zosimos versichert, die meisten Städte unbewohnt wurden. 2
Er muss wider seinen Willen zugeben, dass die Reichsgewalt
durch Schöpfung des Patricius, des Nobilissimus vermehrt
wurde; dass die stärkere Betonung der Reichseinheit eine unbedingte
Nothwendigkeit war, dass eine Rückkehr zu der
Reichstheilung unter Diocletian das grösste Uebel in sich
schloss, ist aber Zosimos, der in der Monarchie des Augustus
den ersten Grund des Verfalles des römischen Reiches erblickte,
so wenig klar geworden, als dass die Frage über die rechtliche
Stellung der Christen im römischen Reiche nach den
wilden Scenen unter Diocletian und Galerius, noch einer anderen
Lösung harrte, als durch die brutale Verfolgung, von der Zosimos
so wenig weiss, als von den Massregeln Julians gegen
die Christen, die Ammianus tadelt. Die Darstellung jenes Actes
von unermesslicher Bedeutung, der Wahl einer neuen Hauptstadt,
die seitdem eine der grossen Weltenringe wurde, ist
nur in so ferne in das Geschichtbuch aufgenommen, als sie
Anlass zu weiterem Tadel gewährte. Selbst jedem Aberglauben
huldigend und von der Ueberzeugung durchdrungen, dass die
Preisgebung der alten Ceremonien und des alten römischen
Götterglaubens den Untergang des Reiches unaufhaltsam her-1
xa xaXw? xaOscTTw-a xtviuv.
2 6 P*)|*oi Ttov otxouvTtov at reXetarai (tcoXek;) yEyovadtv. Doch gewiss eine kolossale
Uebertreibung.
Sitzungsbpr. d. phil.-hist. CI. XCV. Bd. II. Hft.
35