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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Höfler.

Crispus,  der  Sohn  Constantins  und  der  Minervina 1  Cäsar
wurde, 2  war  es  schon  in  der  dritten  Generation  des  flavischen
Hauses,  dass  diese  Würde  demselben  zukam.  Als  die  beiden
Kaiser  des  westlichen  und  östlichen  Theiles  des  Reiches  sich
entzweiten,  siegten  die  germanisch-keltischen  Legionen  auch
über  die  oströmischen,  erst  bei  Kibalis  und  Sirmion,  dann  am
Hebros,  am  Bosporos,  bei  Chalkedon  und  Nikomedien.  Licinnius
ernannte  ausser  seinem  Sohne  Licinnianus,  ja  noch  vor  diesem
den  Valens 3  zum  Cäsar.  Ihn  bezeichnet  Zosimos  als  die
Ursache  der  Uebelstände,  die  über  Licinnius  sich  ergossen.  Er
wurde,  als  die  beiden  Schwäger  sich  wieder  zeitweilig  versöhnten, ­
  gewaltsam  beseitiget,  als  es  aufs  neue  zum  Kampfe
kam,  durch  Martinianus  ersetzt,  den  Licinnius  von  einem
magister  officiorum  zum  Cäsar  erhob.  Dieser  wurde  in  den
Sturz  des  Licinnius  verwickelt  und  als  letzterer  vor  Nikomedia
dem  Constantinus  den  Purpur  und  sich  selbst  übergab,  auf
Befehl  des  Siegers  hingerichtet.  Constantin  vermied,  Cäsaren
ausserhalb  seiner  Familie  zu  ernennen  und  selbst  als  er  seinen
Sohn  Crispus  wegen  des  Verdachtes,  dass  er  es  mit  seiner
Stiefmutter,  der  Kaisertochter  Fausta  halte,  tödten  liess,  war
der  Thron  dem  im  Purpur  geborenen  Geschlechte  gesichert,
eine  ächte  Kaiserdynastie  vorhanden,  wenn  auch  diese,  wie
Zosimos  die  Sache  darstellt,  Fausta  nicht  zur  Ahnfrau  hatte. 4
Das  Gefühl  unter  einer  Kaiserdynastie  zu  stehen,  war  so  lebhaft, ­
  dass  nach  dem  Tode  des  grossen  Kaisers  die  Soldaten,
welche  das  ehemalige  römische  Volk  repräsentirten,  den  Cäsar
Dalmatius,  den  Constantius,  Bruder  des  Kaisers,  den  Annibalianus,
  alle  aus  dem  Geschlechte  des  Constantius  Chloros
tödteten,  indem  sie  keine  anderen  Herrscher  wollten  als  die
Söhne  Constantins.
Nun  kann  man  sich  kaum  etwas  Schaleres  und  Oberflächlicheres ­
  vorstellen,  als  die  Schilderung  Constantins  durch

1  Ex  iraXXaxfj;  xutm  ysyo'/dra  wie  Zosimos  hervorhebt.  Ex  Minervina  concubina
  susceptum.  Sext.  Aur.  Victor  epit.  c.  41.
2  Nach  Sext.  Aur.  Victor  de  Caesaribus  c.  41  auch  Constantinus  (II).
3  OuaX7]s.
J  oux  emo  <l>aüorr];  rrf;  tou  'EpxouXiou  Mabfuavoü  9'jyarpo's.  II,  39.  So  wenig
war  Zosimos  mit  den  Familienverhältnissen  der  Flavier  bekannt.
            
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