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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Hofier.

regt  und  Maxentius,  der  geistreiche  Erfinder  dieses  Stratagems,
das  Vorbild  aller  Strategen,  Hannibal,  dadurch  weit  hinter  sieh
zurückliess!  Wie  hat  man  sich  denn  nun  die  Constantinsschlacht
zu  denken  ?  Das  römische  Heer  aus  der  Stadt  über  die  Tiber  zu
führen  und  dann  den  auf  der  Via  Flaminia  vorrückenden  Constantin
  mit  seinen  abgehärteten  kelto-germanischen  Legionen
so  anzugreifen,  dass  die  Armee  des  Maxentius  die  Tiber  im
Rücken  hatte,  wenn  die  Schlacht  verloren  war,  in  den  Fluss
geworfen  wurde,  wäre  eine  so  kolossale  Thorheit  gewesen,  dass
sie  dem  Maxentius  nicht  zugetraut  werden  kann  und  gerade
der  Umstand,  dass  er  oberhalb  Ponte  molle  eine  neue  Brücke
baute,  beweist,  dass  er  sehr  wohl  daran  dachte,  die  Angriffspunkte ­
  wie  die  Rückzugslinien  zu  vermehren.  Seinerseits  hatte
sich  Constantin,  als  er  Italien  zu  erobern  versuchte,  im  Norden
aufgehalten  und  dort  zuerst  sich  festgesetzt,  Verona  wie  Aquileja
  erobert,  Mutina  genommen  und  erst,  nachdem  er  so  seine
Verbindung  mit  Gallien  gesichert,  die  Rückzugslinie  gedeckt,
rückte  er  gegen  Rom  vor.  Hier  aber  bot  ihm  Maxentius  keine
Schlacht  an,  sondern  hielt  er  das  Heer  theils  in  theils  ausser
Rom  zusammen  und  wollte  Constantin  den  Uebergang  über
die  Tiber  im  Angesichte  der  (von  Aurelianus)  befestigten  Stadt
forciren,  liess  er  sich  durch  die  Schiffbrücke  zu  einer  kühnen
That  verleiten,  so  war  das  Misslingen  des  Angriffes  —  mit  oder
ohne  die  Fallbrücke  ziemlich  sicher.  Anders  wurde  es,  als
Maxentius  am  28.  October  kühn  zum  Angriffe  überging  und
zwar  mit  solchem  Ungestüme,  dass  es  auf  dem  rechten  Tiberufer ­
  zum  hartnäckigen  Treffen  kam.  Dieses  aber  kann  man
sich  kaum  anders  vorstellen,  als  dass  Maxentius,  nachdem  er
sein  Heer  auf  das  rechte  Tiberufer  geführt,  seine  Gegner  —
in  ähnlicher  Art  wie  Napoleon  die  Oesterreicher  bei  Wagram  —
zu  überflügeln,  von  ihrer  Rückzugslinie  abzudrängen  und  in
den  Fluss  zu  werfen  suchte.  Dazu  konnte  ihm  die  Ueberzahl
seiner  Reiterei  vortreffliche  Dienste  leisten.  Man  hat  den
Kampf  in  das  Gebiet  der  Wunder  verlegt  und  die  unmittelbare ­
  Einwirkung  höherer  Kräfte  zu  seiner  Erklärung  zu  Hülfe
gerufen.  Constantin  habe  in  Folge  eines  Traumgesichtes  seinen
Soldaten  befohlen,  das  Monogramm  Christi  auf  Schild  und  Helm
zu  setzen,  Maxentius  sich  aber  nach  den  Aussprüchen  der  sibyllinischen
  Bücher  gerichtet.  Da  letzterer  den  Römern  verhasst
            
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