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die Wundergläubigen darauf berufen, dass Gott nur zu Gunsten
seiner Auserwählten Wunder verrichte, so entgegnet ihnen der
Philosoph, dass alle Völker sich für auserwählt hielten und die
Geschichte aller von Wundern wimmle, die man einem irgendwie
benannten Gotte zuschreibe. Entweder — oder! Entweder
gesteht die Göttlichkeit all diese Wunder zu, oder unterwerft
auch eure eigenen Wundergeschichten der historischen
und philosophischen Kritik. 1 Die erstere beobachtet, dass
Wunder zu allen Zeiten an guter historischer Beglaubigung
Mangel leiden; dass sie sich in dem Maasse mehren, als die
Zeiten dunkler, barbarischer, unwissender werden; dass sie in
dem Maasse verschwinden, als Vernunft und Aufklärung zunehmen.
2 Die historische Kritik lehrt überdies, dass mit
den Mächten des Wahnes auch die Absicht zu täuschen, der
Betrug, Hand in Hand geht. Wunder finden sich überall
dort, wo es theokratische Ansprüche gibt; sie sind Stützen
und Mittel der Herrschaft über die rohe Menge. Der Wunderglaube
vergeht mit dem anbrechenden Lichte der Vernunft.
Das Wunder ist dem Philosophen ein Unding, weil es eine Verletzung
der mathematischen, unabänderlichen, göttlichen Gesetze
des Weltalls behauptet; weil es auf eine ebenso widerspruchsvolle,
als niedrige Vorstellung vom Wesen Gottes basirt ist; weil
es auf einem barbarischen Wahne von der Wichtigkeit unseres
winzigen Planeten und unserer erbärmlichen Querellen beruht. 3
1 Quoi? vous ne croyez pas aux mirac.les rapportes dans les Herodote et
les Tite-Live par eent auteurs respectes des nations; et vous croyez ä
des aventures de la Palestine racontes, dit-on, par Jean et par Marc,
dans des livres ignores etc. (Catechisme de l’honnete homme, 1763.) —
jChaque peuple 1 , spottet er in der Phil, de l’hist., c. 39, ,a ses prodiges;
mais tout est prodige ehez le peuple juif; et on peut dire qne cela devait
etre ainsi, puisqu’il etait conduit par Dien meine. II est clair que
l’histoire de Dieu ne doit pas ressembler ä celle des liommes. 1
2 Fonrquoi a-t-il (Dieu) fait une foule de miracles ineomprehensible en
faveur de cette chetive nation avaut les temps qu’on norame liistoriques?
Pourqnoi n’en fait-il plus depuis quelques siecles? (Questions de Zapata
III, 1767.) — Depuis les temps liistoriques, c’est-ä-dire depuis les con*
quetes d’Alexandre, vous ne voyez plus de miracles ehez les Juifs. (Art.
Miracles, S. III.) — Plus les societes perfeetionnent les connaissances,
moins il y a de prodiges. (Ibid.)
3 Eine reizende Persiflage des geoeentrischen Grössenwahnes enthält der
Roman Mikromegas.