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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Knöll.

Ferderuchus,  der  in  L  V,,  c.  XLII,  1.  2.  3.  XLIV,  1.  3  steht.
Ich  kann  nämlich  nicht  mit  Büdinger  übereinstimmen,  der  diese
Form  des  Namens  für  die  correcte  hält,  während  die  andere
Fredericus  durch  .Abschreiberweisheit'  entstanden  sei. 1  Denn
die  deutschen  Eigennamen  sind  Composita,  und  lassen  sich
ausnahmslos  betreffs  ihrer  Ableitung  erklären. 2  Bei  dem  Namen
Ferderuchus  aber  sucht  man  umsonst  nach  einer  Ableitung;
-uchus  könnte  allerdings  -toechus  sein,  wie  Mundmchus,  Gundiucus
  (vgl.  Müllenhoff  in  Ilaupt’s  Zeitschr.  X,  160);  der  erste
Theil  Ferder  jedoch  ist  unerklärlich.  Offenbar  beruht  vielmehr
diese  Form,  nicht  aber  Fredericus,  auf  Entstellung;  dieselbe
ist  durch  Aspirirung  des  c  und  Umstellung  von  e  und  r  aus
der  Namensform  Fredericus,  die  die  andere  Classe  hat,  entstanden. ­
  Der  Grund  dieser  Entstellung  lag  wahrscheinlich  in
dem  Umstande,  dass  Oheim  und  Neffe,  Bruder  und  Sohn  des
Königs  Feba,  denselben  Namen  führen.  Die  Söhne  aber  nach
den  Brüdern  oder  Schwägern  zu  benennen,  ist  gut  altgermanischer ­
  Brauch;  vgl.  Nibel.  660  und  662  (Lachmann):
den  Ute  man  dö  toi/fen  und  gap  im  einen  namen
Günther  näch  sinem  ceheim.
Vgl.  überdiess  Tac.  Germ.  c.  20;  Beispiele  geben  alle  alten
Genealogien.  Die  Auffälligkeit,  dass  c.  XLIV  ein  Fredericus
den  andern  vertreibt,  hat  wohl  die  Entstellung  des  Namens
in  L  F 2  veranlasst.  Es  ist  also  auch  hierin  die  Ueberlieferung
des  T  die  ursprüngliche,  richtige,  die  von  L  V 2  dagegen
durch  Interpolation  entstellt.  Ebenso  müssen  auch  einige
dem  classischen  Latein  zwar  fremde,  im  Vulgärlatein  aber
gebräuchliche  und  gut  belegte  Wortformen,  die  die  Classe
der  Bobbienser  Handschriften  erhalten  hat,  als  die  ursprünglichen, ­
  vom  Autor  herrührenden  angesehen  werden.  Ich  meine
die  Genetivformen  ossuum  (VI,  1)  und  mensuum  (XXVI,  2). 3
An  beiden  Stellen  haben  L  V 2  die  gewöhnlichen  Formen  auf
ium;  offenbar  ist  die  Abänderung  derselben  und  die  Sub-1

  Eugipius,  eine  Untersuchung  p.  10.
2  Ich  verdanke  nachfolgende  Angaben  der  gütigen  Mittheilung  meiner
Freunde,  der  Professoren  Julius  Zupitza  in  Berlin  und  R.  v.  Muth  in  Wien.
3  Ueber  diese  Formen  vgl.  man  H.  Roensch,  Itala  und  Vulgata.  2.  Aufl.  p.  265.
            
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