Das FTandschriitenverlulltniss der Vita S. Severini des Eugippius.
495
Heiligen nach Italien lauten nach L F 2 : euehitur, cunctis nobiscum
prouinciaJibus idem iter agentibus, qui oppidis super ripam
danubii derelictis per diuersas Italiae regiones uarias suae peregnnationis
sortiti sunt sedes . sei itaque corpusculum ad castellum
nomine montem feletem rnultis emensis regionibus apportatum
est. In dieser Ueberlieferung ist rnultis emensis regionibus ein
massiger Beisatz; denn dass einer, der von der Donau oder
auch nur von Oberitalien aus bis nach dem unbekannten
Felethe, das wir doch wohl an der Grenze von Mittel- und
Süditalien vermutlien müssen, viele Gegenden durchmisst, ist
selbstverständlich; ferner enthalten diese Worte eine, wenn
auch vom Leichname des Heiligen hier geltende, doch matte
Wiederholung des früheren per diuersas ltaliae regiones. Ich
glaube daher, dass auch diese Stelle durch die Emendationssucht
des Schreibers der Vorlage des L und F 2 entstellt ist,
der in dieser Unverstandenes vorfand. Dieses Entstellte ist
nun, wie ich glaube, durch T und seine Classe überliefert: ad
castellum nomine Felethem. mulsemensis (sic!) regionis apportatum
est; regionis haben T V, Voll., und es ist bei Sauppe
aus Versehen unter den Varianten übergangen. Wenn wir von
dem offenbar corrupten mulsemensis absehen, so ist der Gedanke
nach dieser Ueberlieferung klar; der Genetiv regionis
ist beigegeben zur Bezeichnung der Gegend, in der Felethe
lag: ,der Leichnam des Heiligen wurde nach Felethe gebracht,
welches in der Gegend von . . . liegt'. Diese Lesart enthält
nichts Müssiges, wie die des L und F 2 , sondern etwas durchaus
Nothwendiges; denn Eugippius konnte doch nicht voraussetzen,
dass der Leser oder auch nur Paschasius dieses sonst
nie erwähnte Castell kenne. So nothwendig nun auch dieser
Gedanke erscheint, so rathlos stehen wir vor dein Worte
mulsemensis. Was verbirgt sich dahinter? Hier verlassen uns
die Mittel der Nachforschung. So viel scheint jedoch aus dem
Zusammenhang hervorzugehen, dass dieser Ort nicht gar zu
weit von Neapel gelegen haben kann und dass daher an Monte
Feltre in Umbrien kaum zu denken ist. 1
Sogar auf Eigennamen hat sich die Willkür des Interpolators
der Classe L V 2 erstreckt. Ich meine den Namen
1 Ist vielleicht an Molise zu denken?