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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Knöll.

zumeist  den  besseren  Sinn  gibt,  sondern  noch  durch
die  Vertreter  der  anderen  Classe  gesichert  erscheint:
so  ergibt  sich  der,  wie  ich  glaube,  zwingende  Schluss,
dass  L  ein  sowohl  von  erster  wie  von  zweiter  Hand
vielfach  entstellter  Codex  sei,  der  keineswegs  als
gute  Abschrift  seines  Archetypus  gelten  kann;  dass
vielmehr  F 2 ,  obwohl  bedeutend  jünger  als  L  und  keineswegs ­
  fehlerlos,  den  Text  des  gemeinsamen  Archetypus ­
  getreuer  gewahrt  habe  als  L.  Für  dieses  Archetypon
  aber  ergibt  sich  ferner  aus  dem  Angeführten,
dass  dasselbe  der  Classe  der  Bobbienser  Handschriften
bedeutend  näher  stand,  als  man  nach  dem  Texte  des
L  bisher  schliessen  konnte.  Verhält  sich  aber  dieses  alles
so,  dann  muss  natürlich  L  aufhören  die  Grundlage  für  die
Recension  des  Textes  der  Vita  zu  bilden. 1
Da  wir  jedoch  aus  L  und  V.,.  den  Repräsentanten  der
einen  Handschrifteneiasse,  die  von  T  und  der  anderen  Classe
in  vielen  wesentlichen  Punkten  abweicht,  den  gemeinsamen
Archetypus  beider  mit  ziemlicher  Sicherheit  erschliessen  können,
so  lässt  sich  wohl  mit  Recht  die  Frage  aufwerfen,  ob  nicht
diesem  aus  den  beiden  Handschriften  zu  erschliessenden  Archetypus, ­
  oder  mit  anderen  Worten  Lund  V 2  zusammen  der  Vorzug
vor  der  anderen  Classe,  deren  bester  Repräsentant  T  ist,  gebühre. ­
  Allein  abgesehen  von  der  offenbaren  Schwierigkeit,  die
ein  derartiger  Versuch  hat,  scheint  mir  auch  aus  einzelnen
wichtigeren  übereinstimmenden  Stellen  der  beiden  Handschriften
mit  ziemlicher  Sicherheit  hervorzugehen,  dass  eine  ähnliche,
wenngleich  nicht  so  weit  gehende  Interpolation,  wie  wir  sie
im  L  finden,  auch  für  den  Archetypus  von  L  und  V-,  sich
nachweisen  lässt,  während  T  an  einzelnen  Stellen  einen  zwar
corrupten,  aber  doch  nicht  durch  Interpolationen  entstellten
Text  überliefert  hat.
Um  diese  Frage  zu  entscheiden,  müssen  natürlich  vor
allem  jene  hundert  und  etwa  dreissig  Stellen  in  Betracht  ge-1

  Aus  dem  Vorhergehenden  ergibt  sich,  dass  das  Urtheil  Sauppe’s  über  den
Zustand  des  L  ein  viel  zu  mildes  ist:  haec  menda  omnia  ita  comparata
esse  apparet,  ut  inscitiae  et  errori  oculorum  tribuenda  sint,  non  uoluntati
librarii  (p.  XV).
            
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