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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Das  HandschriftenverhältnisB  der  Vita  S.  fleverini  des  Eugippius.

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Die  Stelle  VIII,  4  lautet  nach  der  IJeberlieferung  des  L
folgendermassen:  Sicnt  a  deo  tuo  illate  nindicabuntur  iniurie.
Abgesehen  von  dem  fehlerhaften  Sicnt,  welches  Sauppe  richtig
in  sic  verwandelt  hat,  —  denn  nach  der  Ueberlieferung  des  V-,
war  Sic  die  Lesart  des  Archetypus  beider  Handschriften  —
fällt  vor  allem  das  Futurum  uindicabuntur  auf,  dem  ich  einen
für  unsere  Stelle  passenden  Sinn  nicht  zu  entnehmen  vermag; 1
denn  das  Aergste,  was  der  Königin  Giso  widerfahren  konnte,
ist  ihr  ja  bereits  widerfahren  :  ihr  Söhnlein  ist  in  der  Gewalt
der  barbarischen  Goldarbeiter,  die  es  jeden  Augenblick  tödten
können;  und  in  den  unmittelbar  darauf  folgenden  Worten
heisst  es:  fatebatur  se  pro  scelere  confemptus  .  .  .  .  plagae  praesentis
  ultione  percelli;  diese  Stelle  zeigt,  dass  das  Fraesens
uindicantur,  das  V-,  und  die  andere  Classe  hat,  die  einzig
richtige  Lesart  ist.  Das  Futurum  aber  so  erklären  zu  wollen,
dass  die  Tödtung  des  Sohnes  nur  eine  aus  der  Zahl  der  göttlichen ­
  Strafen  sei,  die  der  Königin  drohen,  der  andere  derartige
nachfolgen  sollen,  wäre  gesucht  und  überdies  unpassend  für
unsere  Stelle;  dieselbe  bat  also  wohl  zu  lauten:  Sic,  sic  a
deo  tuo  illatae  uindicantur  iniuriae;  ganz  passend  ist  in  dem
Munde  der  aufgeregten  Königin  die  Wiederholung  des  Sic,  das
wohl  aus  Versehen  in  der  andern  Classe  nur  einmal  geschrieben
wurde;  vgl.  p.  469.
XI,  3  verdient  alacritate  vor  claritate  offenbar  den  Vorzug; ­
  denn  aus  claritate,  das  ,Klarheit',  ,Helle',  ,hellen  Glanz',
kaum  ,Reinheit',  ,Unbeflecktheit'  bedeuten  kann,  lässt  sich
weder  in  Verbindung  mit  hortatus  est  noch  mit  deprecari  ein  an
unserer  Stelle  passender  Sinn  gewinnen.  Claritas  selbst  kommt
in  der  Vita  noch  IV,  12  (tanta  dinini  muneris  claritate  fulgebat)
und  XIII,  2  (claritas  tarnen  tant.ae  uirtut.is  occultari  non  potuit)
vor,  jedes  Mal  in  der  Bedeutung  ,Klarheit',  ,heller  Glanz',  niemals ­
  in  der  letzteren.  Dagegen  gibt  die  Lesart  alacritate  in  der
Bedeutung  ,freudiger  Eifer',  ,Inbrunst',  in  der  ja  sowohl  alacritas
wie  alacer  vorkommt,  den  für  unsere  Stelle  passenden  Gedanken

1  Auch  Rodenberg,  der  in  seiner  Uebersetzung  sonst  der  Sauppe’schen
Recension  des  Textes  genau  folgt,  ist  gezwungen  an  unserer  Stelle  das
Präsens  wiederzugeben:  ,so  werden  von  deinem  Gotte  Beleidigungen
bestraft*.
Sitzungsher.  d.  pliil,-hiet.  CI.  XCY.  Lid.  I.  Hft.  31
            
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