Das HandschriftenverhältnisB der Vita S. fleverini des Eugippius.
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Die Stelle VIII, 4 lautet nach der IJeberlieferung des L
folgendermassen: Sicnt a deo tuo illate nindicabuntur iniurie.
Abgesehen von dem fehlerhaften Sicnt, welches Sauppe richtig
in sic verwandelt hat, — denn nach der Ueberlieferung des V-,
war Sic die Lesart des Archetypus beider Handschriften —
fällt vor allem das Futurum uindicabuntur auf, dem ich einen
für unsere Stelle passenden Sinn nicht zu entnehmen vermag; 1
denn das Aergste, was der Königin Giso widerfahren konnte,
ist ihr ja bereits widerfahren : ihr Söhnlein ist in der Gewalt
der barbarischen Goldarbeiter, die es jeden Augenblick tödten
können; und in den unmittelbar darauf folgenden Worten
heisst es: fatebatur se pro scelere confemptus . . . . plagae praesentis
ultione percelli; diese Stelle zeigt, dass das Fraesens
uindicantur, das V-, und die andere Classe hat, die einzig
richtige Lesart ist. Das Futurum aber so erklären zu wollen,
dass die Tödtung des Sohnes nur eine aus der Zahl der göttlichen
Strafen sei, die der Königin drohen, der andere derartige
nachfolgen sollen, wäre gesucht und überdies unpassend für
unsere Stelle; dieselbe bat also wohl zu lauten: Sic, sic a
deo tuo illatae uindicantur iniuriae; ganz passend ist in dem
Munde der aufgeregten Königin die Wiederholung des Sic, das
wohl aus Versehen in der andern Classe nur einmal geschrieben
wurde; vgl. p. 469.
XI, 3 verdient alacritate vor claritate offenbar den Vorzug;
denn aus claritate, das ,Klarheit', ,Helle', ,hellen Glanz',
kaum ,Reinheit', ,Unbeflecktheit' bedeuten kann, lässt sich
weder in Verbindung mit hortatus est noch mit deprecari ein an
unserer Stelle passender Sinn gewinnen. Claritas selbst kommt
in der Vita noch IV, 12 (tanta dinini muneris claritate fulgebat)
und XIII, 2 (claritas tarnen tant.ae uirtut.is occultari non potuit)
vor, jedes Mal in der Bedeutung ,Klarheit', ,heller Glanz', niemals
in der letzteren. Dagegen gibt die Lesart alacritate in der
Bedeutung ,freudiger Eifer', ,Inbrunst', in der ja sowohl alacritas
wie alacer vorkommt, den für unsere Stelle passenden Gedanken
1 Auch Rodenberg, der in seiner Uebersetzung sonst der Sauppe’schen
Recension des Textes genau folgt, ist gezwungen an unserer Stelle das
Präsens wiederzugeben: ,so werden von deinem Gotte Beleidigungen
bestraft*.
Sitzungsher. d. pliil,-hiet. CI. XCY. Lid. I. Hft. 31