Das Handscliriffcenverliältniss der Vita S. Severini des Eugippius.
471
wahrscheinlich gemacht worden; ebenso erhellt die Fehlerhaftigkeit
desselben an Stellen, wo je ein Wort ausgefallen ist,
aus Ep. Eug. 7; Vita IV, 6; X, 2; XXII, 3; XXVIII, 5;
XXX, 2; XXXI, 2; XXXII, 2; XLVI, 1; XLVI, 3; an allen
diesen Stellen muss Sauppe, obwohl er den L seiner Textesrecension
zu Grunde legt, entweder zur Lesart der andern
Classe greifen, oder sich mit Correcturen aushelfen, die, wie
F 2 zeigt, der an diesen Stellen vollständig mit den guten Vertretern
der andern Classe übereinstimmt, dem Archetypus
beider fremd waren. Dass auch an den übrigen erwähnten
Stellen die übereinstimmenden Lesarten des F 2 und der anderen
Classe entweder den Vorzug verdienen oder zum mindesten
einen gleich guten Sinn geben wie die entsprechenden des L,
zeigt eine unbefangene Vergleichung beider. Wir sind also
wohl gezwungen anzunehmen, dass diese angeführten Lücken
sich im Archetypus von L und V 2 nicht fanden, sondern ihren
Ursprung der Unachtsamkeit und Leichtfertigkeit des Schreibers
des L verdanken.
2) L hat von erster und zweiter Hand herrührende Interpolationen,
die dem V 2 fremd sind. Hiebei sei bemerkt, dass
die Correcturen in L jedenfalls noch vor der Entstehung des
F 2 entstanden sind, wie auch Sauppe p. IX richtig bemerkt:
manus haud multo recentior. Meist geben sie sich als ungeschickte
Erfindungen auf den ersten Blick zu erkennen. Im Beginn
der Vita fügte die erste Hand I, 1 In vor tempore bei; dass
dasselbe vollständig überflüssig ist, zeigt die ganz gleiche Stelle
Ep. Eug. 8 tempore quo patricius Orestes inique peremptus est.
IX, 1 schob dieselbe vor industria das sinnlose ex ein und verwandelte
stndiosus in studiosius. IX, 4 ist r (== et) von zweiter
Hand vor pompae beigegeben. XII, 5 von erster Hand suh
vor pevnicie, welches sonst keine Handschrift kennt und für
die Stelle ganz gut zu entbehren ist. XIV, 2 ist die Interpolation
mit ziemlicher Sicherheit nachzuweisen; von erster
Hand scheint quodsi im Texte gestanden zu haben, was auch
F 2 hat; dies nun radirte der Corrector aus und, da er in die
mm entstandene Lücke noch pro ea einsetzen wollte, war er genöthigt
qd (sic!) und pro compendiarisch zu schreiben: gdsipen;
pro ea, obwold offenbare Interpolation der zweiten Hand, nahm
Sauppe in den Text. XV, 1 zeigt das sinnlose Verfahren dieses