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und Verbrechen solle man nicht um ihrer selbst willen der
Beachtung würdigen, sondern nur insoferne sie uns helfen,
die Geschichte der menschlichen Meinungen, des menschlichen
Geistes überhaupt verstehen zu lernen. 1 Weil die Geschichte
sich selbst unzählige Male wiederhole, genüge es die bezeichnendsten
Momente hervorzuheben. Freilich, die Principien,
nach denen Voltaire die Auswahl und Anordnung der historischen
Geschehnisse vornahm und vorgenommen wissen wollte,
werden uns erst ganz klar werden, wenn wir den Umkreis seiner
historisch-philosophischen Ansichten werden durchmessen haben.
Welchen Nutzen verspricht sich nun Voltaire von seiner
kritisch gesichteten Historie? Was er selbst darüber sagt, das
übersteigt in der Regel nicht das Durchschnittsmaass skizzenhafter
Banalität; wir wollen dessen daher nur im Vorbeigehen
erwähnen; charakteristisch ist es immerhin, namentlich im Vergleich
mit der theologischen und höfischen Auffassung Bossuet’s.
Die Geschichte, meint er, liefere dem Staatsmanne, wie dem
Bürger das Material zu Vergleichungen der aetuellen Zustände
seines Landes mit denen fremder Zeiten und Völker; dadurch
errege sie den Wetteifer der Nationen. Als Fehler- und Beispielsammlung
übe sie eine heilsame Wirkung, zumal auf die
leitenden Persönlichkeiten, aus. Sie sei eine Schule der Politik;
so lehre sie das Gleichgewichtssystcm erkennen, dem Europa
verdanke, dass es nicht einer einzelnen Macht unterworfen
sei. 2 In Zeiten geschichtlicher Unwissenheit treffe man keine
10. Mai 1757.) Vgl. den Avant-propos des Essai. — Autant il faut con*
naitre les grandes actions des souverains . . qui ont rendu leurs penples
meillenrs et plus henreux; autant on doit ignorer le vulgaire des rois
qui ne servirait qu'a charger la memoire. (Introduction von 1753.)
1 Remarques (1703) II. — Tout ce qui s’ost fait ne merite pas d’etre ecrit.
On ne s’attachera, dans cette liistoiro, qu’ä ee qui merite l’attention de
tous les temps, h ce qui peut peindre le gdnie et les mceurs des hommes,
k ee qui peut servir d’instruction et couseiller l’amour de la vertu, des
arts et de la patrie. (Siede de Louis XIY. — Introduction.) Mon but
n’est pas d’ecrire tont ce qui s’est fait, mais senlement ce qui on a fait
de grand, d’utile et d’agreable. C’est le progres des arts et de l’esprit
liumain que je veux faire voir et non l’histoire des intrigues de cour et
des mecliancetes des liommes. (A Berger, April 1739.)
2 ,Ces details“, sagt er gelegentlich, ,pourraient fournir des exemples,
s’il y avait des cas pareils; mais il ne s’en trouve jamais, ni dans les