Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

May  i.

86

und  Verbrechen  solle  man  nicht  um  ihrer  selbst  willen  der
Beachtung  würdigen,  sondern  nur  insoferne  sie  uns  helfen,
die  Geschichte  der  menschlichen  Meinungen,  des  menschlichen
Geistes  überhaupt  verstehen  zu  lernen. 1  Weil  die  Geschichte
sich  selbst  unzählige  Male  wiederhole,  genüge  es  die  bezeichnendsten ­
  Momente  hervorzuheben.  Freilich,  die  Principien,
nach  denen  Voltaire  die  Auswahl  und  Anordnung  der  historischen ­
  Geschehnisse  vornahm  und  vorgenommen  wissen  wollte,
werden  uns  erst  ganz  klar  werden,  wenn  wir  den  Umkreis  seiner
historisch-philosophischen  Ansichten  werden  durchmessen  haben.
Welchen  Nutzen  verspricht  sich  nun  Voltaire  von  seiner
kritisch  gesichteten  Historie?  Was  er  selbst  darüber  sagt,  das
übersteigt  in  der  Regel  nicht  das  Durchschnittsmaass  skizzenhafter ­
  Banalität;  wir  wollen  dessen  daher  nur  im  Vorbeigehen
erwähnen;  charakteristisch  ist  es  immerhin,  namentlich  im  Vergleich ­
  mit  der  theologischen  und  höfischen  Auffassung  Bossuet’s.
Die  Geschichte,  meint  er,  liefere  dem  Staatsmanne,  wie  dem
Bürger  das  Material  zu  Vergleichungen  der  aetuellen  Zustände
seines  Landes  mit  denen  fremder  Zeiten  und  Völker;  dadurch
errege  sie  den  Wetteifer  der  Nationen.  Als  Fehler-  und  Beispielsammlung ­
  übe  sie  eine  heilsame  Wirkung,  zumal  auf  die
leitenden  Persönlichkeiten,  aus.  Sie  sei  eine  Schule  der  Politik;
so  lehre  sie  das  Gleichgewichtssystcm  erkennen,  dem  Europa
verdanke,  dass  es  nicht  einer  einzelnen  Macht  unterworfen
sei. 2  In  Zeiten  geschichtlicher  Unwissenheit  treffe  man  keine

10.  Mai  1757.)  Vgl.  den  Avant-propos  des  Essai.  —  Autant  il  faut  con*
naitre  les  grandes  actions  des  souverains  .  .  qui  ont  rendu  leurs  penples
meillenrs  et  plus  henreux;  autant  on  doit  ignorer  le  vulgaire  des  rois
qui  ne  servirait  qu'a  charger  la  memoire.  (Introduction  von  1753.)
1  Remarques  (1703)  II.  —  Tout  ce  qui  s’ost  fait  ne  merite  pas  d’etre  ecrit.
On  ne  s’attachera,  dans  cette  liistoiro,  qu’ä  ee  qui  merite  l’attention  de
tous  les  temps,  h  ce  qui  peut  peindre  le  gdnie  et  les  mceurs  des  hommes,
k  ee  qui  peut  servir  d’instruction  et  couseiller  l’amour  de  la  vertu,  des
arts  et  de  la  patrie.  (Siede  de  Louis  XIY.  —  Introduction.)  Mon  but
n’est  pas  d’ecrire  tont  ce  qui  s’est  fait,  mais  senlement  ce  qui  on  a  fait
de  grand,  d’utile  et  d’agreable.  C’est  le  progres  des  arts  et  de  l’esprit
liumain  que  je  veux  faire  voir  et  non  l’histoire  des  intrigues  de  cour  et
des  mecliancetes  des  liommes.  (A  Berger,  April  1739.)
2  ,Ces  details“,  sagt  er  gelegentlich,  ,pourraient  fournir  des  exemples,
s’il  y  avait  des  cas  pareils;  mais  il  ne  s’en  trouve  jamais,  ni  dans  les
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.