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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Fellner.

Schulden  hatte.  Weiter  haben  wir  uns  zu  vergegenwärtigen,  dass
die  attische  Sy  mm  ach  ie  aufgehört  hat,  dass  Athen  selbst  eine  Stadt
geworden  war,  welche  unter  der  Botmässigkeit  Spartas  stand.
Tribute  wurden  nicht  mehr  eingezahlt.  Es  war  mithin  keine  Behörde ­
  mehr  nothwendig,  welche  dieselben  und  den  Staatsschatz  zu
verwalten  hatte.  Die  Hellenotamien  verschwinden.  Sehr  wahrscheinlich ­
  ist  es  dann,  dass  im  Jahre  des  Euklid  eine  Veränderung ­
  der  Schatzbehörden  eingetreten  ist,  welche  die  Tempelschätze ­
  zu  verwahren  hatten.  War  doch  das  Amt  der  Schatzmeister
der  anderen  Götter  zu  einer  Zeit  geschaffen  worden,  als  Athen
in  finanzieller  Hinsicht  auf  dem  Gipfelpunkt  seiner  Entwicklungstand. ­
  Wozu  sollte  man  jetzt  zwei  Schatzbehörden  im  Amte
haben,  da  die  Einkünfte  der  Götter  aufgebraucht  waren  und
man  nur  im  Pronaos  einen  Kranz  liegen  hatte.
Ebenso  sonderbar  wäre  es  anzunehmen,  dass  etwa  unter
dem  Archontat  des  Euklides  der  Vorsteher  des  Staatsschatzes
—  xa\jJ.ac  -rijs  v.ovif^  trpouoSou  —  eingesetzt  wurde.  Dessen
Wirksamkeit  wäre  jetzt  einfach  illusorisch  gewesen.  Nicht
minder  unhaltbar  dürfte  die  Ansicht  sein,  dass  in  demselben
Jahre  zwei  neue  Behörden,  nämlich  die  Theorikenvorsteher
und  der  Kriegszahlmeister  creirt  wurden. 1  Ich  kann  mir
nicht  vorstellen,  dass  unter  solchen  Verhältnissen  gleich  eine
Cassa  für  Volksvergnügungen  gebildet  wurde,  oder  dass  man
schon  Ueberschüsse  der  Verwaltung  hatte,  um  eine  Kriegscassa
  zu  errichten.  Es  ist  vielmehr  festzuhalten,  dass  die  Athener
unter  Euklid  diejenigen  Stellen  abschafften,  welche  überflüssig
geworden  waren  und  jetzt,  wo  sie  auf  ihre  Einkünfte  allein
angewiesen  waren,  ernstlich  sich  bestrebten,  den  Staatshaushalt
ins  Gleichgewicht  zu  bringen.  Man  wird  daher  neue  Aemter
erst  dann  errichtet  haben,  als  der  Staat  zu  prosperiren  anfing
und  das  Volksbewusstsein  wieder  mächtig  wurde.
Zum  Lobe  des  Volkes  muss  gesagt  werden,  dass  die  gedrückte ­
  Stimmung  bald  überwunden  wurde  und  dass  in  kurzer
Zeit  ein  staunenswerther  Aufschwung  eintrat.  Gross  waren  eben,
wenn  sie  weise  ausgenützt  wurden,  die  Hilfsquellen  in  diesem

1  ,Wir  sind  berechtigt  anzunehmen,  dass  durch  die  euklidische  Verfassung
an  die  Stelle  der  Hellenotamien  zwei  neue  Stellen,  das  Kriegszahlmeisteramt ­
  und  die  Theorikenbehörde,  gesetzt  wurden“.  Böckh  Staatsh.  1,  p.  246.
            
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