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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Fellner.  Attische  Finanzverwaltung  im  fünften  und  vierten  Jahrhunderte.  383

Zur  Geschichte  der  attischen  Finanzverwaltung
im  fünften  und  vierten  Jahrhunderte.
Von
Dr.  Thomas  Fellner.

Uie  Untersuchungen  von  Müller-Strübing  haben  Veranlassung ­
  gegeben,  dass  streitige  Punkte  auf  dem  Gebiete  der
attischen  Staatsverwaltung  einer  erneuerten  und  eingehenderen
Besprechung  unterzogen  -worden  sind.  Besonders  lebhaft  wurden
die  Fragen  in  Betreff  des  attischen  Staatsschatzmeisters  —  vajxtac
y.oivrjc  zocjsssj  —  erörtert.  Bekanntlich  geht  die  Meinung  von
vielen  Gelehrten  dahin,  Aristides  sei  der  erste  Staatsschatzmeister
gewesen.  Andere,  und  ich  kann  wohl  sagen  eine  grössere  Zahl,
halten  die  Ansicht  U.  Köhlers  für  die  richtige,  welcher  das
Schatzmeisteramt  für  nacheuklidisch  erklärt. 1  Meiner  Meinung
nach  haben  die  jüngst  erschienenen  Abhandlungen  in  entscheidender ­
  Weise  die  Unmöglichkeit  der  Existenz  eines  Vorstandes ­
  der  Verwaltung  vor  Euklid  dargethan.  Wir  finden
nirgends  Anhaltspunkte,  welche  erlaubten,  sichere  Schlüsse  in
dieser  Richtung  zu  ziehen.  Man  sollte  also  den  ganzen  Gegenstand ­
  einfach  bei  Seite  legen.
Von  Interesse  dürfte  es  aber  doch  sein  nachzuspüren,
durch  welche  Umstände  man  sich  bestimmen  Hess,  einem  einzigen ­
  Mann  in  einer  überaus  entwickelten  Republik,  wie  es
die  athenische  war,  eine  so  bedeutende  Gewalt  zuzuschreiben.
Den  Anfang  hierin  hat  Böckh 2  gemacht,  welcher  auf  Grund
der  Nachrichten,  die  wir  über  den  Eteobutaden  Lykurg  haben,

1  Köhler:  Urk.  u.  Untersuch,  z.  Gesell,  d.  attisch-delischeu  Bundes  p.  151
(Abhandl.  der  Berl.  Akad.  1869).
2  Vgl.  dazu  Böckh:  Staatshaush.  d.  Ath.  I,  222  ff.  u.  569  ff.  d.  2.  Ausg.
            
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