238
Hofier.
Das erstere wird Niemand läugnen, und wenn die beiden
wlacliiscben Brüder das wichtige Trnowo und das Volk der
Bulgaren zur gemeinsamen Erhebung gegen die Romäer gewinnen
wollten, so mussten sie sich nach der alten Czarenstadt
wenden und diese zum Ausgangspunkte ihres Aufstandes
machen, das bulgarische Volk in die Revolution verwickeln,
die ja die Vertilgung der Romäer zum Zwecke hatte. Nichts
begriffen die Bulgaren leichter, als dass auf einen romäischen
Bulgarentödter aus Constantinopel ein Romäertödter aus Trnowo
folgen werde.
Was nun den Ursprung der bulgarischen Erhebung betrifft,
so ist sicher, dass dieselbe gar nicht von Bulgaren ausging,
sondern von den beiden wlachischen Brüdern, welche,
wie man später ersehen wird, sich selbst als Romanen, Römer,
aber nicht Romäer oder Lateiner bezeichneten. Das Begehren,
welches Peter und Asan an Kaiser Isaak Angelos richteten,
und dessen Ungestüm dem Asan auf Befehl des Sebastokrators
Johannes einen Backenstreich in das Gesicht eintrug, der nachher
mit so vielem romäischen Blute vergolten wurde, bezog
sich auch nicht auf Bulgaren, sondern auf den Eintritt von
Wlachen in romäische Kriegsdienste, und erst als das Gesuch
in der kränkendsten Weise zurückgewiesen worden war, entschlossen
sich die beiden unternehmenden Brüder den Versuch
zu machen, auch die Bulgaren aufzuwiegeln, sich an deren
Spitze zu erschwingen und wie Nemanja unter den Serben die
Losreissung von der romäischen Herrschaft erstrebt, so Gleiches
gegen die schwankende Regierung des Hauses Angelos zu unternehmen.
Wären nun Petrus und Johannes Asan, wie neuerdings
behauptet worden, Nachkommen der alten Bulgarenczaren gewesen,
so hätte sich ihre Erhebung sehr einfach gestaltet. Sie
brauchten nur in Trnowo sich darauf zu berufen und die Bulgaren,
welche so oft schon den Versuch angestellt, das Joch der
Romäer abzuschütteln, so bald nur einer der wahren oder falschen
Abkömmlinge der alten Czaren das Banner der Unabhängigkeit
aufgepflanzt, schaarten sich mit Enthusiasmus um sie. 1
1 tu; o Oso, tgj ttov BooXyapwv xxi xtov BXayov ysvou^ eXsuÖEptav 7jü§oy.7] | J£.
Niketas p. 485.