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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slaviscben  Geschichte  I.

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er  mochte  hoffen,  durch  die  Bischöfe  auf  die  Bewohner  des
unterworfenen  Landes  einzuwirken.  Allein  die  Militärherrschaft
unter  Strategen  und  der  romäische  Steuerdruck,  der  die  Provinzen ­
  dem  Reiche  entfremdete,  lasteten  schwer  auf  der  wieder
gewonnenen  Herrschaft;  der  griechische  Clerus  konnte  sich  mit
dem  bulgarischen  Volke,  ,diesen  schmutzigen,  übelriechenden
Barbaren'  nicht  befreunden.  Es  war,  wie  der  griechische  Erzbischof ­
  von  Ochrida,  Theophilaktos,  schrieb,  nur  an  Bosheit
reich,  auf  das  Aeusserste  herabgekommen,  kleidete  sich  in
stinkende  Felle  und  verleidete  dem  gebildeten  Griechen  den
Aufenthalt.  Dazu  kam,  dass  ,die  Serben,  die  auch  Kroaten
heissen',  von  der  Katastrophe  der  Bulgaren  für  sich  Gebrauch
machten,  das  Reich  von  Ochrida  sich  zu  unterwerfen  trachteten,
die  Kirchen  verbrannten,  Alles  mit  Feuer  und  Schwert  verwüsteten, ­
  so  dass  der  Erzbischof  1073  schrieb,  nicht  Ein  Diacon,
  nicht  Ein  Priester  sei  mehr  in  der  einst  so  herrlichen
Kirche  Bulgariens  vorhanden.  Die  Auflösung  machte  sich  nach
allen  Seiten  geltend.  Theophylakt  erwähnt  eines  Apostaten, 1
welcher  Mokoi  einen  Theil  von  Ochrida  beunruhige.  Es  war
dies  zweifelsohne  ein  Bogomile.  Nicht  minder  auch  Dobromio,
der  1078  in  Mesembria  einen  starken  Heerhaufen  sammelte.
Ein  anderer  behauptete  sich  in  Beljatowo,  heiratete  eine  kumanische
  Fürstentochter  und  hauste  nach  Willkür  in  Thracien.
Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  dieses  bewaffnete  Auftreten
der  Boffomilen  wieder  den  Anschluss  der  Kroaten  an  Rom  erleichterte,
  wie.  dann  andererseits  die  Ertheilung  der  Königskrone
an  Zwonimir  durch  Papst  Gregor  VII.  zu  einem  ähnlichen  Begehren ­
  des  Serbenfürsten  Michael  führte,  eines  Sohnes  jenes
Stefan  Vojslav,  der  sich  gegen  die  Romäer  erhielt  und  1053
den  Titel  eines  Protospatharios  erlangte.  Michael  erscheint
zwar  in  dem  Schreiben  des  Papstes  als  Slavenkönig,  rex  Slavorum,
  aber  mehr  als  factischer  König  anerkannt  denn  als
legitimer.  Er  befand  sich  in  Zerwürfnissen  mit  dem  Erzbischof
von  Spalato,  dem  entgegen  er  den  Bischof  von  Ragusa  begünstigte. ­
  Der  letztere  sollte  wohl  das  Pallium  erhalten,  das
1  a  servo  et  apostata.  Ep.  LXIV.  Die  lateinische  Uebersetzung  der  Briefe
Theophylakts  bei  Baronius  nach  einem  vaticauischen  Codex  stimmt  aber
nicht  mit  den  in  der  besonderen  Ausgabe  dieser  Briefe  veröffentlichten
überein.
            
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