Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Studien*.

17

über  Gregor  von  Tours  und  Fredegar  äussert  sich  Voltaire  in
einer  Weise,  dass  man  vermuthen  darf,  er  kenne  sie  aus  eigener
Anschauung. 1  Er  erhärtet  an  ihnen  einen  seiner  kritischen  Hauptgrundsätze, ­
  dass  nur  Hauptzüge  und  Hauptbegebenheiten  der
Geschichte  sich  feststellen  Hessen,  alles  Detail  aber  schwankend
und  ungewiss  sei.
Eine  neue  Aera  vertrauenswürdiger  und  ihrem  Stoffe  angemessener ­
  Geschichtschreibung  beginnt  für  ihn  mit  Guicciardini.
 2  ,Italien',  sagt  er,  ,besitzt  in  Guicciardini  seinen  Thukydides
  oder  besser  Xenophon;  denn  er  befehligte  zuweilen  in
den  Kriegen,  welche  er  beschrieb.' 3  Auch  Machiavelli  nennt
er  einen  ausgezeichneten  Historiker,  De  Thou  den  besten
Geschichtschreiber  seiner  Nation. 4  Bei  aller  Achtung  vor  den
Humanisten  erklärt  er  dessenungeachtet,  die  Geschichte  habe
wie  die  Physik  erst  um  das  Ende  des  sechzehnten  Jahrhunderts
herum  sich  zu  entwirren  begonnen. 6  Der  Anfang  eines  Zeitalters ­
  der  Kritik  fällt  ihm  so  ziemlich  mit  dem  Jahrhunderte
Ludwig  XIV.  zusammen.
Geschmackvoll,  wie  das  Jahrhundert  im  Allgemeinen,  die
Franzosen  und  Voltaire  im  Besonderen  waren,  legten  sie  einen
uns  Deutschen  des  neunzehnten  Jahrhunderts  kaum  fasslichen
Nachdruck  auf  die  Reinheit  und  Vollendung  der  Form.  Hierin
gestanden  sie  den  Alten  gerne  den  Preis  zu.  Allerdings  liess
1  Phil,  de  l’hiat.,  c.  52:  Gregoire  de  Tours  est  notre  Herodote,  ä  cela  pres
que  le  Tourangeau  est  moins  amüsant,  moins  elegant  que  le  Grec  .  .
Enfin  tous  les  details  de  ce  temps-lä.  sönt  autant  de  fables  et,  qui  pis
est,  de  fables  ennuyeuses.  —  Er  nennt  die  mittelalterlichen  Chronisten
,6crivains  peil  instruits  qui  ont  donne  des  chroniques  informes  de  ces
temps  malheureux.  (Pyrrhonisme  de  l’hist.,  c.  11  und  18.)
2  On  peut  dire  que  jusqu’ä  Guichardin  et  Machiavelli  nous  n’avons  pas
eu  une  histoire  bien  faite.  (Essai,  c.  10.)  Henri  Estienne  ne  se  servit
d’Herodot  que  pour  nous  rendre  execrables  et  ridicules.  Nous  avons  un
dessein  tout  contraire;  nous  pretendons  montrer  que  les  histoires  modernes ­
  de  nos  bons  auteurs,  depuis  Guichardin,  sont  en  general  aussi
sages,  aussi  vraies  que  celles  de  Diodore  et  d’Herodote  sont  folles  et
fabuleuses.  (Art.  Diodore.)
3  Essai,  c.  121.
4  Le  president  de  Thou  justifie  contre  les  accusations  de  M.  de  JBuri  (1766).
—  A  Damilaville,  21.  Mai  1766.
5  Essai,  c.  8.
Sitzuugsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCV.  Bd.  I.  Hft.  2
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.