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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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M  a  y  r.

mehr  die  Kritik,  als  die  Geschichte  seines  Landes  geschrieben
habe  und  unserer  Bewunderung  würdig  wäre,  wenn  er  sich
unparteiisch  gezeigt  hätte;  er  imputire  den  Fürsten  immer
heimliche  Verbrechen.  Die  Germanen  lobpreise  er  mehr  aus
pädagogischen  Gründen. 1  Den  Sueton  tadelt  er,  weil  er  sich
zur  Posaune  der  pöbelhaftesten  Gerüchte  hergebe.  2  Dio  Cassius
schilt  er  einen  Schmeichler,  Verleumder,  Zeitungsschreiber,
einen  trockenen  und  verschwommenen  Schriftsteller.  3  Plutarch’s
Biographien  nennt  er  ,un  recueil  d’anecdotes  plus  agreables
que  certains'. 1  In  Voltaire’s  Urtheilen  liegt  keine  Selbstüberhebung, ­
  es  spricht  aus  ihnen  vielmehr  ein  erhöhtes  Pflichtgefühl. ­
  ,Wenn  man  auch  die  Alten',  sagt  er, 5  ,vielfach  als
Vorbilder  betrachten  kann,  so  hat  man  doch  heutzutage  eine  ungleich ­
  schwerere  Last,  als  die  ihre  war,  auf  sich  zu  nehmen.  Man
verlangt  von  einem  modernen  Historiker  mehr  Details,  besser
festgestellte  Thatsachen,  genaue  Daten  und  Belege,  mehr  Achtsamkeit ­
  auf  die  Gewohnheiten,  Gesetze,  Sitten,  den  Handel,
die  Finanzen,  den  Ackerbau,  die  Bevölkerung.  Es  verhält  sich
mit  der  Geschichte,  wie  mit  der  Mathematik  und  Physik;  das
Ziel  ist  erstaunlich  weiter  gesteckt/
Zwischen  dem  Alterthum  und  der  Neuzeit  liegt  das  finstere
Mittelalter;  seine  Geschichtschreiber  sind  seiner  würdig.  Voltaire’s ­
  Grauen  vor  den  rohen,  dumpfen,  mönchischen  Historikern
scheint  so  gross  gewesen  zu  sein,  dass  er  eigentlich  keinen  kennen
zu  lernen  verlangte.  Sicherlich  schöpfte  er  sein  Kenntniss  des
Mittelalters  aus  neueren  Forschungen.  Es  ist  das  Recht  des
Universalhistorikers.  Detailforschungen  sollen  die  sonst  unleistbare
  Arbeit  erleichtern,  nicht  vermehren  und  erschweren. 6  Nur

1  Essai,  Avant  -  propos;  Phil,  de  l'hist.,  e.  14.  Pyrrhonisme  de  l’hist.,
c.  12.  —  A  M.  Du  Deffand  (30.  Juli  1768).
2  Art.  extr.  de  la  gaz.  litteraire  (1764),  Nr.  VII.
3  Art.  Cuissage.
4  Siede  de  Louis  XIV.,  c.  25.  —  Ueber  Ammian  Marcell.  Brief  an  Fr.  II.,
29.  Jänner  1776.
6  Art.  Histoire,  S.  IV.
6  Pour  penetrer  dans  le  labyrinthe  tenebreux  du  moyen  äge,  il  faut  le
secours  des  archives  .  .  Ce  n’est  pas  lä  un  recueil  oü  l’on  puisse
s’eelairer  sur  l’histoire  politique  .  .  Vorzug  Englands  und  der  Rymer’schen
Födera.  (Pyrrhonisme  de  l’hist.,  c.  11.)
            
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