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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Stadien.

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Daten  über  wirkliche  Ereignisse  und  keinerlei  Beimischung
von  Fabeln  oder  Mythen. 1  Von  der  historischen  Ueberlieferung
der  übrigen  orientalischen  Völker  hält  er  nicht  viel;  alle  Völker
wollen  sich  alt  und  ehrwürdig  machen;  alle  geben  Dichtung
für  Wahrheit  aus.  Dabei  zweifelt  er  nicht  an  der  Echtheit
und  dem  hohen  Alter  Sanchoniathon’s. 2
Bemerkenswerther,  als  dies,  ist  Voltaire’s  kritische,  freie
Haltung  gegen  die  Historiker  des  classischen  Alterthums.  Noch
war  Alles  was  mit  der  Schule  zusammenhing  in  kritikloser
Bewunderung  erstorben. 3  Noch  galt  allgemein  das  blosse  Erheben ­
  der  Frage  über  den  Vorzug  der  Neueren  vor  den  Alten
für  eine  Ketzerei.  Man  hätte  sicherlich  die  Heterodoxen  auf
den  Scheiterhaufen  geschickt,  wenn  sich  ein  Kaiser  Sigismund
dazu  gefunden  hätte.  Voltaire  jedoch  vermochte  nicht  einzusehen, ­
  warum  man  die  Alten  nicht  eben  denselben  Regeln  der
Beurtheilung  unterwerfen  sollte,  wie  alle  Anderen.  Der  ,respect
super  stitieux'  für  jederlei  Alterthum  war  ihm  ein  Gräuel.  Die
sichere  griechische  Geschichte  beginnt  für  ihn  mit  Xerxes  und
die  Geschichtschreibung  mit  Thukydides. 4  Herödot  ist  das
Muster  des  Fabulisten,  des  Märchenerzählers.  3  Xenophon  und
Polybius  rühmt  er  ihrer  genauen  Sachkenntniss  halber. 6  Was
Herodot  für  die  Griechen  ist  Livius  für  das  römische  Alterthum. ­
  7  Den  Tacitus  nennt  er  einen  geistvollen  Satiriker,  der

1  Phil,  de  l’hist.  XVIII  und  L1I.  Les  Cliinois  ecrivirent  leur  liistoire  la
plume  et  l’astrolabe  k  la  main,  avec  une  simplicite  dont  on  ne  trouve
point  d’exemple  dans  le  reste  de  l’Asie.  (Ibid.  XVIII.)
2  Phil,  de  l’hist.  XXIX.  Dieu  et  les  hommes  (1769),  c.  9.  —  Def.  de  m.
oncle  (1767)  21.
3  Buckle  (übersetzt  von  Kitter)  III,  144.
1  Art.  Diudore  et  Herodote.  Lhistoire  honnete  de  Thucydide  et,  qui  a
quelques  lueurs  de  verite,  commence  ii  Xerxes;  mais  avant  eette  epoque,
que  de  temps  perdu!  —  Pyrrhonisme  de  l’histoire  (1768),  c.  6.
5  Presque  tollt  ee  qu’il  raconte  sur  la  foi  des  etrangers  est  fabuleux,  mais
tout  ce  qu’il  a  vu  est  vrai  .  .  sou  livre  n’est  plus  qu’un  rornan  .  .  Art.
Diodore  et  Herodote:  Diodor,  sagt  er,  sei,  obwohl  er  siebenhundert  Jahre
nach  Herodot  lebte,  kein  Haar  besser,  als  dieser.  Vgl.  Pyrrhonisme  de
Thistoire,  c.  6—7.
6  Art.  Xenophon.  —  Art.  Histoire,  Sect.  IV.
7  Ou  sait  assez  que  la  methode  et  le  style  de  Tite-Live,  sa  gravite  son  eloquence
  sage  convieunent  ä  la  majeste  de  la  republique  romaine.  (Ibid.)
            
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