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Krall.
Dem neuen Culturvolke, den Griechen, welches unter der
Herrschaft der Ptolemäer alle Schichten des ägyptischen Volkes
zu durchdringen begann, fehlte zu einer richtigen Darstellung
ägyptischer Geschichte die genaue Kenntniss der Sprache, sowie
überhaupt das tiefere Eingehen auf die Eigenart des ägyptischen
Volkes; zugleich war ihnen wohl auch die Einsicht der in den
Tempelarchiven aufbewahrten heiligen Schriften, ohne welche
an eine richtige Darstellung ägyptischer Geschichte gar nicht
zu denken war, verwehrt. Da unternahm es im 3. Jahrhunderte
vor Christi ein ägyptischer Priester selbst, der ganz mit
griechischer Bildung erfüllt war, 1 Manetho aus Sebennytos,
den Griechen die Geschichte seines Volkes quellenmässig zu
erzählen. Ueber Manetho’s Leben sind wir fast gar nicht
unterrichtet, wir wissen nur, dass er in den letzten Lebensjahren
Ptdlemäus I. schon die priesterliche Laufbahn beschritten
hatte, 2 und dass sonach unter dessen Nachfolger Ptolemäus
Philadelphus der Höhepunkt seines Wirkens fällt. 3 Alle anderen
Angaben, die sich beim Synkellos finden, haben nur
einen problematischen Werth, da sie auf die Widmung der
unechten ßiß'Ao; ütoOsw? zurückgehen. 4 Eine Reihe von
Schriften wird auf ihn zurückgeführt, von allen sind jedoch
nur spärliche Fragmente auf uns gekommen. Gewiss gehen
auf Manetho folgende Werke zurück: 5
1 Josephus C. A. X 14, 1 xrjc 'IiXLjVi/.f); p.STeayrjxio; rauosfas.
2 Vgl. meine Schrift ,Tacitus und der Orient 1 (Wien 1879, bei Konegen), I.
3 Da die Angabe zu dem vierten Könige der XII. Dynastie der röpoi:
Aayaprjc o; tov iv ’Apmvotn) AaßupivOov eobjtm Tchpov xaTEazEuaue doch wohl,
wie Unger, Chron. 2, annimmt, von Manetho herrührt, so haben wir
neben der Angabe Plutarch’s, einen weiteren festen Anhaltspunkt zur
Bestimmung der Lebenszeit Manetho’s, sowie hauptsächlich der Abfassungszeit
der Alyujrriay.ä gewonnen. Die Stelle muss einige Zeit nach der
Vermählung der Arsinoe mit Ptolemäus II. geschrieben sein, da er ja zu
Ehren seiner Schwester und Gemahlin der Stadt Krokodilopolis den
Namen Arsinoe gab. Die Heirat fand nach Unger (1. 1. p. 2) im Jahre
277 statt. Droysen (Geschichte der Epigonen I, 268 A) verlegt sie dagegen
ziemlich dicht vor das Jahr 266. In unseren Untersuchungen
,Tacitus und der Orient“, haben wir uns dem Ansätze Ungers angeschlossen.
4 Synkellos p. 40 A. Günstiger urtheilt über dieselben Lepsius, Chronologie,
p. 406.
6 Müller, F. H. Gr. II, 511 f. Parthey, Ueher Isis und Osiris p. 180 f.