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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Studien.

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Korans  und  die  furchtbaren  Mittel  seiner  Verbreitung,  wogegen
er  ihn  wider  die  unberechtigten  Angriffe  christlicher  Eiferer
in  Schutz  nimmt. 1  Im  Allgemeinen  rechnet  er  auch  den  Islam,
wie  den  Judaismus  und  das  Christenthum,  zu  den  Calamitäten
der  Menschheit. 2
Ohne  uns  in  die  Einzelheiten  seiner  Darstellung  der
Religions-  und  Kirchengeschichte  des  Mittelalters  einzulassen,
wollen  wir  nur  auf  den  Refrain  lauschen,  in  welchen  er  jedes
Capitel  derselben  ausklingen  lässt.  An  der  unsäglichen  Barbarei,
Unwissenheit,  Verwilderung  dieser  Jahrhunderte  ist  vor  Allem
die  Religion  schuld.  Sie  hat  die  Menschen  nicht  besser  gemacht, ­
  sondern  ihren  Leidenschaften  noch  den  Fanatismus,
den  Glaubenshass,  die  Verfolgungswuth  hinzugefügt.  Träger
dieses  Geistes  sind  die  Priester,  welche  sich  auf  die  thierischen,
fanatisirten  Massen  stützen  und  auch  deren  Führer  mit  sich
ziehen.  Sie  ersinnen  neue  Geissein  (Mönchswesen,  Inquisition)
für  die  ohnehin  schon  hinlänglich  geplagte  Menschheit,  erregen
Kampf  und  Krieg,  ja  sie  wagen  sich  an  die  nothwendig  existirende
  Staatsgewalt.  Solchermaassen  basirt  das  Mittelalter
auf  einem  Gemisch  von  Unwissenheit,  Betrug,  Frechheit,  Selbstsucht ­
  der  Herrscher,  Dummheit  und  Schwäche  der  Beherrschten.
Jeder  Lichtblitz  erstickt  in  der  allgemeinen  Finsterniss;  nicht
einmal  eine  ordentliche  Häresie  kann  um  sich  greifen. 3

1  Les  moyens  sont  affreux;  c’est  la  fourberie  et  le  meurtre  .  .  (Alcoran.)
2  Der  Islam  hat  wohl  mit  dem  Schwerte  bekehrt;  aber  je  ne  connais  pas
une  seule  guerre  civile  entre  les  Turcs  pour  la  religion 4 .  (Homelie  sur
la  Superstition,  1767.)  —  Essai,  7.
3  C’est  ainsi  que  vous  verrez  dans  ce  vaste  tableau  des  demences  humaines,
  les  sentiments  des  theologiens,  les  superstitions  des  peuples,  le
fanatisme,  varies  sans  cesse,  mais  toujours  constants  plonger  la  terre
dans  rabrutissement  et  la  calamite  .  .  .  (Essai,  62.)  C’est  de  ce  fanatisme
que  sortirent  les  croisades,  qui  depeuplerent  l’Europe  pour  aller  immoler
  en  Syrie  des  Arabes  et  des  Turcs  h  Jesus-Christ.  (Profession  de
foi  des  theistes,  c.  4.)  —  Les  Chretiens  n’ont  cesse  de  s’egorger  en
Afrique  et  en  Asie  que  quand  les  musulmans,  leurs  vainqueurs,  les  ont
desarmes  et  ont  arrete  leurs  fureurs.  Mais  ä,  Constantinople  et  dans  le
reste  des  Etats  chretiens,  l’ancienne  rage  prit  de  nouvelles  forces.  (De  la
paix  perpetuelle,  24.)
Les  papes  ont  voulu  abrutir  l’esprit  des  hommes.  (Art.  Lois,  S.  3.)
Rome  donnait  toujours  le  mouvement  ä  toutes  les  affaires  de  l’Europe.
            
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